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Wie das moderne Geldsystem Wohlstand schleichend aushöhlt

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Die Schuldenuhr zeigt unaufhaltsam nach oben – Symbol für ein Geldsystem, in dem Verbindlichkeiten schneller wachsen als reale Wertschöpfung. (Archivbild) Foto: Michael KappelerR/DDP/AFP via Getty Images

Der Haushalt 2026 berührt einen alten geldtheoretischen Streit neu: Wenn der Staat immer mehr Mittel vorab verteilt, ohne dass reale Wertschöpfung Schritt hält, stellt sich die Frage nach dem Wert des Geldes selbst – und nach den Folgen für Preise und Wohlstand.

Man kann Zahlen lange verschieben, Titel umbenennen und politische Narrative pflegen. An den ökonomischen Zusammenhängen ändert das jedoch nichts. Der Bundeshaushalt für das Jahr 2026 ist ein anschauliches Beispiel dafür. Am 28. November hat eine Mehrheit im Bundestag den Haushalt für das kommende Jahr beschlossen.

Demnach wächst der Bundeshaushalt deutlich. Insgesamt kann der Bund Ausgaben von 524,54 Milliarden Euro veranschlagen. Das sind rund 22 Milliarden Euro mehr als im laufenden Jahr und gut 4 Milliarden Euro mehr als im ursprünglichen Regierungsentwurf. Für Investitionen sind 58,35 Milliarden Euro vorgesehen. Damit liegt der Ansatz zwar unter dem Niveau von 2025, aber 2,23 Milliarden Euro über der Planung der Bundesregierung. Zudem steigen die Verpflichtungsermächtigungen für künftige Haushaltsjahre auf 449,91 Milliarden Euro – ein Plus von knapp 19 Milliarden Euro gegenüber dem Entwurf.

Mit 97,96 Milliarden Euro erreicht die Nettokreditaufnahme im Kernhaushalt einen neuen Höchststand. Solch hohe Schulden wurden zuletzt während der Corona-Pandemie gemacht. Im Jahr 2020 lag die Neuverschuldung laut Angaben des Bundesministeriums der Finanzen bei 130,5 Milliarden Euro. 2021 wuchs die Neuverschuldung auf 215,4 Milliarden Euro an, bevor sie 2022 wieder auf 115,4 Milliarden Euro zurückging.

Mit den nun anvisierten 97,96 Milliarden Euro liegt die Verschuldung deutlich über der Planung der Bundesregierung und um mehr als 16 Milliarden Euro über dem Wert des Vorjahres, wie der Bundestag angibt.

Auf der Einnahmenseite kalkuliert der Bund mit Steuern und steuerähnlichen Abgaben in Höhe von 387,21 Milliarden Euro. Damit liegen die Einnahmen leicht über dem Vorjahresniveau und um gut 3 Milliarden Euro über den ursprünglichen Annahmen der Bundesregierung.

Wachstum und Produktivität sinken

In den Debatten im Bundestag bemühte sich die Bundesregierung, mit dem neuen Haushalt Stabilität und Zukunftsfähigkeit zu signalisieren. Auf der Website der Bundesregierung spricht sie mit Blick auf den Haushalt davon, man habe nun „den eingeleiteten Politikwechsel“ verstärkt. Oberstes Ziel sei es, die „Wachstumspotentiale der Wirtschaft zu stärken und den Wohlstand aller Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen“. Drei finanzpolitische Prioritäten benennt die Bundesregierung: Investitionen, Strukturreformen und Konsolidierung.

Doch die Realität im Land sieht im Moment anders aus: Die wirtschaftliche Basis des Landes schrumpft. Gerade erst hat das Münchner ifo-Institut in seinem Wintergutachten die Wachstumsprognose für das kommende Jahr nach unten korrigiert. Es rechnet nun nur noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Zum Vergleich: Im Herbstgutachten gingen die Ökonomen noch von einem Wachstum von 1,3 Prozent im Jahr 2026 aus.

Gleichzeitig erleben wir seit Jahrzehnten einen Rückgang der Produktivität in Deutschland. In einem Bericht des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, umgangssprachlich auch als die „Wirtschaftsweisen“ bekannt, zeigen die Sachverständigen auf, dass die Arbeitsproduktivität im Durchschnitt zwischen 1970 und 2020 um 0,25 Prozentpunkte zurückgegangen ist. Das entspricht einem Rückgang von 11 Prozent.

Der Rat schätzt, dass sich der Rückgang auch in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Die Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Produktivität jährlich um 0,15 Prozentpunkte reduzieren könnte.

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen lässt sich ein eindeutiges Fazit zur Finanzpolitik der Bundesregierung ziehen: Was als finanzpolitische Vorsorge verkauft wird, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als riskanter Balanceakt zulasten der Kaufkraft.

Inflation ist Begleiterscheinung

In dieser Konstellation ist Inflation kein Betriebsunfall, sondern eine systemische Begleiterscheinung. Die Erfahrungen der Corona-Jahre haben gezeigt, dass eine hohe Staatsverschuldung und eine expansive Geldpolitik nicht ohne Folgen bleiben. Die Preissteigerungen der vergangenen Jahre lassen sich nicht allein mit Problemen in den Lieferketten oder Energiepreisschocks erklären. Sie sind Ausdruck eines tieferliegenden Problems: einer wachsenden Geldmenge bei gleichzeitig zurückgehender realer Produktion.

Geld entsteht heute nicht mehr als Abbild erbrachter Leistung, sondern überwiegend durch Kreditvergabe. Geschäftsbanken schaffen Giralgeld (elektronisches Geld auf Bankkonten), indem sie Kredite vergeben und Zentralbanken verlängern ihre Bilanzen durch den Aufkauf von Staatsanleihen. Dieser Vorgang ist technisch unspektakulär, seine Wirkung jedoch ist tiefgreifend. Jeder neue Kredit erhöht die Geldmenge, ohne dass zwangsläufig zusätzliche Güter oder Dienstleistungen entstehen.

Benjamin Mudlack ist gelernter Bankkaufmann, Vorstandsmitglied der Atlas-Initiative, regelmäßiger Autor beim Ludwig von Mises-Institut Deutschland und Mitglied der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft. Er hält den benannten Mechanismus für den Kern des Problems. Im Gespräch mit Epoch Times sagt er:

„Geldproduktion und Staatsausgaben schaffen keinen Wohlstand.“

Wohlstand entstehe allein durch produktive Tätigkeit. Die deutsche Industrieproduktion sei inzwischen auf das Niveau von etwa 2005 zurückgefallen. Trotz der Digitalisierung habe es seit 2007 keine nennenswerten Produktivitätsfortschritte gegeben. Eine Volkswirtschaft, die mehr Geld, aber weniger Güter hervorbringt, zahlt dafür mit Kaufkraftverlust.

Geldmenge, Produktion und Preise

Der Zusammenhang ist simpel, wird politisch jedoch gern verdrängt. Gibt es 100 Geldeinheiten und 100 Produkte, bleibt das Preisniveau stabil. Steigt die Geldmenge, während die Produktionsmenge gleich bleibt oder sinkt, verliert jede Geldeinheit an Wert. Umgekehrt führen Produktivitätsgewinne bei konstanter Geldmenge zu sinkenden Preisen. Das ist ein Zustand, der historisch eher Wohlstandsgewinne als Krisen hervorgebracht hat.

Mudlack kritisiert, dass Inflation häufig mit Teuerung gleichgesetzt wird. Die eigentliche Ursache liege in der Ausweitung der Geldmenge. Seit 1999 hat sich diese im Euroraum vervierfacht. Lag die Geldmenge 1999 laut „Statista“ noch bei rund 4,7 Billionen Euro, lag sie Ende Oktober dieses Jahres bei rund 17,1 Billionen Euro. Parallel dazu stieg der Goldpreis in Euro um ein Vielfaches. Bezahlte man Anfang 1999 noch einen Goldpreis von rund 244 Euro pro Unze, liegt dieser, Stand heute, bei gut 3.688,88 Euro. Nicht Gold, so Mudlack, sei teurer geworden, sondern das Geld habe an Kaufkraft verloren.

Kaufkraft sinkt kontinuierlich

Die Corona-Jahre liefern für Mudlacks These das anschaulichste Beispiel: Die immense Schuldenaufnahme der Staaten blieb nicht im Haushalt stehen, sondern wurde – vermittelt über Anleihekäufe und die kreditgetriebene Geldschöpfung – in zusätzliche Liquidität übersetzt.

Der Preisdruck zeigt sich dabei typischerweise mit Verzögerung: Erst steigen Vermögenspreise, weil das neue Geld zunächst in Finanz- und Immobilienmärkte fließt, dann schlagen höhere Kosten und eine breitere Nachfrage in den Güterpreisen durch – ein Effekt, der sich verstärkt, wenn zugleich die Lieferketten stocken und die Produktion nicht Schritt hält. In dieser Logik ist die Teuerung nicht „Schicksal“, sondern die späte Quittung einer Politik, die reale Knappheiten mit immer billigeren Versprechen zu überdecken versucht.

Staatsverschuldung und Kaufkraftverlust – Foto: Grafik von Benjamin Mudlack

Zwar ist die Inflationsrate seit dem Höchststand im Jahr 2022 deutlich gefallen, doch sie ist nicht verschwunden. Auch Werte knapp über 2 Prozent bedeuten, dass die Preise weiter steigen, nur eben langsamer als zuvor. Das hohe Preisniveau der vergangenen Jahre bleibt damit bestehen. Inflation wirkt nicht rückwärtsgewandt, sondern fortlaufend: Jeder weitere Anstieg, so moderat er auch erscheinen mag, verringert die Kaufkraft erneut und verfestigt die Verluste, die Haushalte bereits erlitten haben.

Haushalt 2026 als Brandbeschleuniger

Die Modern Monetary Theory (MMT) erklärt Staatsverschuldung für weitgehend unproblematisch, solange sie in eigener Währung erfolgt. Aus Sicht der Österreichischen Schule, der sich Benjamin Mudlack verbunden fühlt, ist das eine gefährliche Illusion. Schulden und Geldmenge wachsen im heutigen Kreditgeldsystem nahezu spiegelbildlich. Alte Schulden werden durch neue ersetzt, Zinsen durch zusätzliche Kredite bedient. Das System benötigt permanente Aufschuldung, um stabil zu erscheinen.

Die Folgen sind Umverteilung und Fehlsteuerung. Erstempfänger des neu geschaffenen Geldes profitieren, während Löhne und Renten zeitverzögert angepasst werden. Inflation wirkt wie eine verdeckte Steuer. Kritiker sprechen daher von „Enteignung durch die Hintertür“. Besonders betroffen sind einkommensschwächere Haushalte ohne Sachwerte.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Haushalt 2026 wie ein Brandbeschleuniger. Rekordverschuldung trifft auf eine schrumpfende industrielle Wertschöpfung. Volkswirtschaftlich geboten wäre eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch verlässliche Energiepreise, Investitionen in produktive Strukturen, weniger politische Eingriffe in Preis- und Zinsmechanismen. Doch die politische Logik bevorzugt kurzfristige Stabilisierung durch Schulden.

Welche Möglichkeiten bleiben?

Historisch gesehen haben sich Sachwerte als Schutz vor Geldentwertung bewährt. Gold nimmt dabei eine besondere Stellung ein, da sein jährlicher Zuwachs begrenzt ist. Es kann nicht beliebig vermehrt werden. Der langfristige Preisanstieg von Gold und Silber spiegelt vor allem die Entwertung des Geldes wider.

Auch Immobilien und Aktien können mit Einschränkungen Kaufkraft sichern. Immobilien unterliegen Abnutzung und politischen Risiken. Sie werden nicht automatisch wertvoller, sondern bilden häufig lediglich die Geldentwertung ab. Aktien repräsentieren reale Unternehmensanteile und profitieren langfristig von produktiver Wertschöpfung – vorausgesetzt diese findet statt.

Vertrauen durch Wettbewerb

Mudlack setzt auf Aufklärung. Je sichtbarer die Grenzen des heutigen Geldsystems werden, desto mehr Menschen beginnen, grundlegende Annahmen zu hinterfragen. Vertrauen in Geld und wirtschaftliche Perspektiven, so seine Überzeugung, entsteht nur dort, wo Wettbewerb, freie Preise und individuelle Wahlmöglichkeiten bestehen.

Der Haushalt 2026 ist daher weniger eine Lösung als ein Signal. Er zeigt, wie weit sich Politik und ökonomische Realität voneinander entfernt haben. Geld kann keinen Wohlstand erzeugen, sondern allenfalls verschieben. Die Rechnung folgt zwar mit Verzögerung, aber mit verlässlicher Konsequenz.

Quelle: Epoch Times

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