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Update: Polizei zu Fall Berlin/Neukölln. Vergewaltigung vertuscht? „Das ist ein absolutes Desaster“

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Bild: KI

Das Neuköllner Jugendamt steht in der Kritik, eine mutmaßliche Vergewaltigung in einem Jugendzentrum nicht angezeigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, Kritiker fürchten eine „Kultur des Wegschauens“.

„Wenn sich ein Mädchen an Verantwortliche wendet und von schweren sexuellen Straftaten spricht, kann man das nicht einfach ignorieren und versuchen, unter den Tisch zu kehren“, sagt Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei in Berlin.

„Das als einfachen Fehler abzutun, wie es die zuständige Stadträtin versucht, ist auch kommunikativ ein absolutes Desaster und offenbart massive Missstände.“ 

Er bezieht sich auf mutmaßliche Übergriffe in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln. Ein Mädchen soll dort im Januar von Jugendlichen vergewaltigt und bedrängt worden sein. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über den Fall berichtet. 

Polizei befürchtet „Kultur des Wegschauens“ 

„Das Jugendamt wurde am 28. Januar 2026 über diese Vorfälle informiert“, teilte ein Sprecher des Bezirksamtes der Deutschen Presse-Agentur mit. Die zuständige Bezirksstadträtin Sarah Nagel (Linke) habe am 2. März davon erfahren.

Sie nannte das Vorgehen im Gespräch mit dem „rbb“ einen „Fehler“. Weder das betroffene Jugendzentrum in Berlin-Neukölln noch das zuständige Jugendamt hätten zeitnah Strafanzeige erstattet, sagte die Linke am Mittwoch.

Jendro sieht Nagels Statement kritisch. Neben der Aufklärung des Vergewaltigungsvorwurfs werde die Polizei feststellen, „ob sich hier in Teilen des Bezirks eine Kultur des Wegschauens verselbstständigt hat“, sagt er im Gespräch mit FOCUS online. 

Die Bezirksstadträtin war schon vor vier Jahren in die Kritik geraten. In mindestens einem Fall soll Nagel eine Razzia in arabischen Restaurants und Shisha-Bars untersagt haben.

Staatsselratär Liecke: „Opfer schützen, nicht den Täter“

Jugend-Staatssekretär Falko Liecke (CDU) erklärte FOCUS online, dass „in jedem Fall noch vor Ostern geklärt werden muss, welche Rechtsvorschriften missachtet worden sind“. Diese Aufgabe obliege jedoch nicht dem Senat, sondern der Bezirksverwaltung.

Es stehen weitere schwere Vorwürfe im Raum. Denn: Sollte sich bestätigen, dass eine Strafanzeige ausblieb, weil die mutmaßlichen muslimischen Täter nicht stigmatisiert werden sollten, sei dies ein „absoluter Skandal“, so Liecke. 

„Wenn der Verdacht einer Vergewaltigung vorliegt, muss sofort die Polizei grundsätzlich informiert und gegen den Verdächtigen ermittelt werden, ganz gleich, welcher Nationalität er auch angehören mag.“ 

Es gehe darum, das mutmaßliche Opfer zu schützen. In Lieckes Augen müssten dann auch dienstrechtliche Konsequenzen folgen. „Auch dafür ist der Bezirk und nicht der Senat zuständig.“ Das obliege dem Neuköllner Bürgermeister Martin Hikel (SPD).

CDU-Fraktionschef: „Tendenz würde zur Linken passen“

Markus Oegel, CDU-Fraktionschef in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung, sieht ebenfalls eine „Tendenz“ bestimmter politischer Parteien, bei Straftaten „wegzuschauen“. Konkret: wenn es um bestimmte ethnische Gruppierungen geht. „Das würde zur Linken passen“, so Oegel zu FOCUS online.

Er schränkte jedoch ein, dass man zunächst erst einmal „genau schauen muss, wer was wann wusste und warum er es nicht weitergebenen hat“. Oegel selbst kenne die Anschuldigungen gegen Jugendzentrum, Jugendamt und Bezirksstadträtin Nagel „bislang nur aus den Medien“. 

Man arbeite mit Hochdruck daran, sich die nötigen Informationen zu beschaffen. Die CDU habe eine Sitzung des Jugendhilfeausschusses beantragt, die ausschließlich der Klärung der Vorwürfe dienen solle.

Grundsätzlich könne es „fatale Auswirkungen“ haben, wenn strafrechtliche Ermittlungen nicht eingeleitet würden, nur um die Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen zu vermeiden, warnt Oegel. „Wenn über solche Dinge nicht geredet wird, dann haben wir die AfD auch in Neukölln irgendwann bei 45 Prozent.“

Quelle: Focus

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