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Probleme sollten gelöst werden, bevor sie noch stärker zurückkehren

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Ein Blick auf den Mythos von Herakles und der vielköpfigen Hydra zeigt, dass Probleme nicht einseitig angegangen werden sollten. Foto: Wolfgang Sauber, Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0

Die moderne Welt steckt voller Ängste und Gefahren, die sich wie die berühmte Hydra zu vermehren scheinen. Damit die Vielfalt an Problemen nicht stärker als zuvor wiederkehrt, muss sie gemeinsam und auf vollständige Weise angegangen werden.

Täglich werden wir mit Aufgaben konfrontiert, die mitunter unlösbar erscheinen. So muss sich auch Herakles, ein griechischer Halbgott und Sohn des Göttervaters Zeus, gefühlt haben, als er zwölf Aufgaben erhielt.

Doch der berühmte antike Held gab auch nach der ersten schweren Prüfung – der Tötung des gefährlichen Löwen aus Nemea – nicht auf. Und er wurde belohnt: Er stellte sich der Urangst und entdeckte, dass wahrer Mut die Angst nicht zerstört, sondern sie in Stärke verwandelt.

Dies sorgte bei dem König Eurystheus, jenem Mann, der Herakles die Aufgabe erteilt hat, für Unmut, denn der König wollte den Helden scheitern sehen. Prompt erhielt Herakles die zweite Aufgabe: die Tötung der Lernäischen Schlange, auch Hydra von Lerna genannt.

Die zweite Aufgabe von Herakles

Die Hydra war ein schlangenähnliches Ungeheuer, das am See Lerna lebte und ein unheilvolles Tor zur Unterwelt bewachte. Am bekanntesten ist das Wesen aufgrund seiner zahlreichen Köpfe, von denen einer unsterblich war. Darüber hinaus war ihr Atem tödlich und sie konnte ein Gift spucken, für das es kein Heilmittel gab.

Wie bereits der Löwe von Nemea war auch die Hydra von Lerna ein Nachkomme der Mischwesen Echidna und Typhon. Es war Typhon, der den Göttervater Zeus beinahe besiegte und damit die gesamte Schöpfungsordnung zerstörte. Es ist nicht verwunderlich, dass nun sein Sohn jener Auserwählte ist, der den irdischen Kampf gegen den Nachkommen Typhons führen muss.

Obwohl Herakles der Sohn des Zeus ist, reichte seine Halbgöttlichkeit allein nicht aus, um die Hydra zu besiegen. Denn sobald er einen Kopf der Bestie beseitigte, wuchsen an dessen Stelle zwei neue nach. Die Hydra wurde dadurch immer mächtiger, und Herakles musste sich zurückziehen. Außerdem begleitete ein Riesenkrebs die Hydra, der Herakles stets in den Fuß biss, sobald dieser der Schlange zu nah kam.

Als Erstes tötete Herakles den Krebs, der die zweite Aufgabe symbolisch dem Sternzeichen Krebs und dem Element Wasser zuordnet. Doch auch der griechische Held hatte einen Begleiter: seinen Neffen Iolaos. Gemeinsam mit ihm nahm er den Kampf wieder auf. Wenn Herakles einen Kopf zerstörte, versengte Iolaos den Halsstumpf mit einem glühenden Eisen und verhinderte so, dass er wieder nachwuchs.

So verlor das Wesen einen Kopf nach dem anderen und starb schließlich, nachdem Herakles auch den unsterblichen Kopf abgetrennt hatte. Diesen vergrub er später am Straßenrand und rollte einen schweren Felsen über die Stelle, damit niemand den Kopf wieder ausgraben konnte. Die Hydra war besiegt. Doch was lehrt uns die Geschichte?

Die ungeahnten Probleme von heute

Die Hydra steht symbolisch für die Art und Weise, wie wir Menschen heute unsere Probleme zu lösen versuchen. Wir könnten dies als „Philosophie des Fortschritts“ bezeichnen, da moderne Probleme häufig mit Wissenschaft und Technologie beseitigt werden sollen.

So entwickeln wir beispielsweise Medikamente oder Waffen, um Leben zu retten. Doch oft tritt das Gegenteil ein: Ein weiterer Kopf der Hydra taucht auf, gerade wenn wir denken, wir hätten das Problem gelöst.
Es kann als Gesetz der unbeabsichtigten und unvorhergesehenen Folgen bezeichnet werden. Dieser Meinung war auch der englische Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton (1874–1936), der 1909 sagte:

„Die Wissenschaft erfindet beabsichtigt Annehmlichkeiten und unbeabsichtigt Unannehmlichkeiten.“

Selbst die Schaffung einer offensichtlich brillanten neuen Technologie kann bei näherer Betrachtung einen Haken haben oder, um die Metapher fortzusetzen, einen neuen Kopf der Hydra hervorbringen, der uns auf unbekannte Weise angreift.


Gute und schlechte Seiten der Wissenschaft

Wer könnte beispielsweise bestreiten, dass die Erfindung des Alphabets und der Schrift eine großartige Neuigkeit war? Haben wir nicht seitdem von ihrer Kraft profitiert? Tatsächlich ist es schwer vorstellbar, wie sich ohne sie überhaupt eine Form des Lernens, geschweige denn die Wissenschaft, hätte entwickeln können.

Doch es war der griechische Philosoph Sokrates (469–399 v. Chr.), der in Platons Dialog „Phaidros“ eines zu bedenken gibt: „Denn wer dies [das Alphabet] lernt, dem pflanzt es durch Vernachlässigung des Gedächtnisses Vergesslichkeit in die Seele, weil er im Vertrauen auf die Schrift von außen her durch fremde Zeichen, nicht von innen her aus sich selbst die Erinnerung schöpft.“

Vielleicht ist aus heutiger Sicht die Schwächung des Gedächtnisses ein geringer Preis für die Fähigkeit, schreiben und Informationen an die Nachwelt weitergeben zu können. Doch es gibt neben den kleinen Hydras auch sehr große.

Eine vielköpfige Schlange

Insbesondere seit Beginn der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert steigt der Einfluss von Technologien, sodass sich die Menschen der Abhängigkeit kaum mehr bewusst sind – bis zu jenem Punkt oder Tag, an dem etwas schiefgeht.

Ein Paradebeispiel ist die weltweite Vernetzung und die damit einhergehende Ausbreitung von Krankheiten. Plötzlich wird allzu bewusst, dass die Globalisierung, von der uns in den 1990er-Jahren gesagt wurde, sie sei unaufhaltsam, unvermeidlich und mehr oder weniger ausschließlich vorteilhaft, auch einige gravierende Nachteile hat.

Der US-amerikanische Naturwissenschaftler Carl Sagan (1934–1996) sagte: „Wir leben in einer Gesellschaft, die hochgradig von Technologie abhängig ist, in der aber kaum jemand etwas von Technologie versteht.“

Doch können die Menschen etwas dagegen tun? Und gibt uns die Geschichte über Herakles’ zweite Aufgabe vielleicht einen Hinweis? Die Antwort lautet: Ja, das tut sie.

Lösung durch Zusammenarbeit

Wir benötigen Helden, die sich wie Herakles der Aufgabe und der Hydra annehmen, und das auf erhabenem Wege. Da Herakles ein Halbgott war, muss die Lösung unserer modernen menschlichen Probleme ebenfalls zur Hälfte eine spirituelle Angelegenheit sein, denn das ist es, was „göttlich“ bedeutet. Wissenschaft und Technologie allein können unsere Probleme selten lösen.

„Das Problem mit der Technologie ist, dass sie in keiner wirklichen Weise mit Fragen des Geistes und des Herzens verbunden ist. Und so tut sie ganz zufällig blinde, hässliche Dinge und wird dafür gehasst“, kommentierte der US-amerikanische Autor Robert Pirsig (1928–2017) in seinem Buch „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“.

Technologie ist von Natur aus seelenlos, Herakles jedoch nicht. Er ist halb göttlich und halb menschlich. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass er mit einem anderen Menschen zusammenarbeitet und sie als Team eine Lösung finden, um die Hydra zu besiegen. 

Die Moral von der Geschichte

Doch selbst für Herakles gab es eine Hydra, die er nicht vorausgesehen hat. Bevor er den unsterblichen Kopf der Hydra vergrub, nahm er eine reichliche Menge ihres Giftes, um seine Pfeile damit zu bestreichen. Durch dieses Gift fanden später viele Wesen den Tod – aber auch der Held selbst. Lange nach der Vollendung der Aufgaben zog Herakles unwissend ein heimlich mit dem Gift der Hydra versehenes Hemd über und starb unter Qualen.

Selbst der große griechische Held konnte der Hydra nicht entkommen. Vielleicht wäre es für ihn besser gewesen, die Technologie zu begraben, anstatt zu glauben, er könne sie für eigene Zwecke nutzen. Das erinnert an „Der Herr der Ringe“ und den Ring der Macht, der immer diejenigen verriet, die ihn zu beherrschen glaubten.

Vielleicht hätte Herakles nicht so voreilig reagieren und besser über seine Entscheidung, das Gift mitzunehmen, nachdenken sollen. Doch die Fähigkeit, geduldig, demütig und wahrhaftig zu handeln, erlangte er erst im Rahmen seiner dritten Aufgabe, des Fangens einer göttlichen Hirschkuh.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Hydra of Modern Times“. (redaktionelle Bearbeitung bep.)

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Beppo

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