Medikament macht Menschenblut für Malariamücken giftig

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Medikament macht Menschenblut für Malariamücken giftig

Der Wirkstoff ist derzeit äußerst teuer. Die Entdeckung könnte jedoch dafür sorgen, dass das Medikament günstiger wird.

Stechmücken sind für zahlreiche Infektionen verantwortlich, und durch die globale Erhitzung werden tropische Arten auch in gemäßigten Zonen zum Problem, etwa die Tigermücke in Österreich. Gegen manche Arten will man vorgehen, indem man ihre Fruchtbarkeit einschränkt und sie letztlich ausrottet. Auch das Antiparasitenmittel Ivermectin kommt zum Einsatz, um Moskitozahlen zu senken und damit auch das Risiko für Malaria. Wenn Moskitos Blutcocktails mit Ivermectin trinken, verkürzt sich die Lebensdauer des Insekts.

Der Wirkstoff ist jedoch nicht unproblematisch. Es handelt sich bei Ivermectin um ein Umweltgift, und weil damit auch Menschen und Tiere mit Wurm- und Parasiteninfektionen behandelt werden, kann übermäßiger Einsatz dafür sorgen, dass die Schädlinge Resistenzen ausbilden.

Zu einer neuen Erkenntnis, die auch für die Moskitobekämpfung relevant ist, gelangte nun ein internationales Forschungsteam: Wie die Forschenden aus den USA, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz im Fachjournal Science Translational Medicine berichten, hemmt ein Wirkstoff namens Nitisinon ein Enzym, das die Mücken zur Verdauung von Blut brauchen.

Seltene Erkrankungen

Das Interessante daran ist, dass Nitisinon bereits in einem zugelassenen Medikament steckt. Es kommt gegen seltene Krankheiten zur Anwendung, etwa bei Alkaptonurie, bei der der Körper die Aminosäure Tyrosin schlecht verstoffwechselt. Die Wirkung des Medikaments beruht auf der Blockierung des Enzyms 4-Hydroxyphenylpyruvat-Dioxygenase (HPPD), wodurch die Bildung schädlicher Nebenprodukte der Krankheit im menschlichen Körper verhindert wird.

Wenn Stechmücken Blut trinken, das Nitisinon enthält, blockiert das Medikament auch dieses wichtige HPPD-Enzym in ihrem Körper. Dadurch können die Mücken das Blut nicht mehr richtig verdauen und sterben schnell ab.

Menschliches Blut, das den Wirkstoff enthielt, tötete sowohl junge als auch alte Malariamücken schnell ab, wie das Team herausfand. Es wirkte auch gegen Mücken, die gegen Insektizide resistent waren. Getestet wurde es an der Mücke Anopheles gambiae, dem Hauptüberträger der Malaria in afrikanischen Ländern.

Teure Behandlung

Der Wirkstoff Nitisinon ist allerdings teuer, wie die Forschenden in der Studie einräumen. Eine Behandlung mit Nitisinon kostet demnach bis zu 380.000 US-Dollar pro Jahr. “Die Wiederverwendung von Nitisinon für die Mückenbekämpfung könnte jedoch dazu beitragen, die Kosten des Medikaments zu senken und seine Verfügbarkeit für seltene Krankheiten zu erhöhen”, schreiben die Forschenden in der Studie.

Als Nächstes plant das Forschungsteam weitere Studien, um herauszufinden, welche Nitisinon-Dosierungen in der Praxis am effektivsten gegen Mücken wirken. In der Schweiz ist der Wirkstoff für die Behandlung der seltenen Stoffwechselkrankheit Tyrosinämie Typ 1 zugelassen.

Quelle: derstandard.de

Redaktion

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