Die Bundesregierung verpulvert weitere Milliarden für die grüne Energiewende
Weitere Milliarden für die Windkraft sollen die laut Kanzler Merz „zu teuere Energiewende“ voranbringen. Foto: privat, canva; Montage: E.T.
In einem Gastkommentar spricht der ehemalige Hamburger Umweltsenator Prof. Fritz Vahrenholt unter anderem über steigende Temperaturen, mit denen steigende Ausgaben der Energiewende begründet werden. Dass der Umbau der Stromversorgung zu teuer geworden ist, hat auch Kanzler Merz erkannt – und lässt weiter machen.
Die globale Temperatur ist im März 2026 gegenüber Februar etwa gleichgeblieben. Die Abweichung der globalen Mitteltemperatur vom langjährigen Mittel der Satellitenmessungen liegt nun bei +0,38 Grad Celsius über dem Mittelwert der vergangenen 30 Jahre. Im Vormonat betrug die Abweichung +0,39 °C.

Foto: Dr. Roy Spencer, University of Alabama, Huntsville
Der im Jahr 2024 begonnene Abkühlungstrend bleibt noch intakt, neigt sich aber dem Ende zu. So deutet sich für Herbst ein El Niño an, der die globalen Temperaturen im nächsten Jahr wieder stärker erhöhen wird. El Niño ist eine natürliche zyklische Erwärmung des tropischen Pazifiks, die sich alle drei bis fünf Jahre ereignet.
Das hat zwar nichts mit CO₂ zu tun, aber wir werden erleben, wie Politik und Medien die steigenden Temperaturen zum Anlass nehmen werden, um die Energiewende weiter zu begründen. Dieses Weiter-so dokumentiert das von der Bundesregierung beschlossene Klimaschutzprogramm, das Ende März von Umweltminister Schneider vorgestellt wurde.
„Diese Energiewende […] bringt uns um“
Vier Tage vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz fand Bundeskanzler Friedrich Merz in Trier folgende Worte:
„Diese Energiewende, wenn wir sie jetzt nicht korrigieren, bringt uns um. Sie ist zu teuer geworden. Es ist der falsche Weg, man kann nicht nur alles mit Sonne und Wind machen.“
Das schreibe ich seit fünfzehn Jahren. Aber warum lässt der Kanzler dann alles so weiterlaufen?
Zwei Wochen später beschloss die Bundesregierung das Klimaschutzprogramm 2026. Umweltminister Schneider konnte verkünden, dass 8 Milliarden Euro ausgegeben werden, um 2030 in Summe 25 Millionen Tonnen weniger CO₂ auszustoßen.
Das Geld wird zum Fenster hinausgeworfen, als hätten wir keine Haushaltsprobleme: Denn dividiert man die Zahlen, kommt man auf 320 Euro pro Tonne nicht ausgestoßenes CO₂. Der CO₂-Zertifikate-Preis liegt im Augenblick bei 72,60 Euro. Das Klimaschutzprogramm veranlasst also Maßnahmen, die viermal teurer sind als der heutige CO₂-Preis.
Und in Wirklichkeit liegen die Kosten für das Programm noch dramatisch höher, da die Folgekosten der weiteren Wind- und Solarsubventionen nicht berücksichtigt wurden. Die Diskrepanz zwischen Worten des Kanzlers und den Taten der Bundesregierung wird auch an folgender Bemerkung des Umweltministers deutlich. Er sagte:
„Es ist uns als Bundesregierung gelungen, dieses Programm ohne größeren Streit zu erarbeiten.“
Also kein Streit mit dem Kanzleramt oder mit dem Wirtschaftsministerium. Das sagt uns: Beim Geldausgeben zulasten der Bürger ist man sich einig.
Um wie viel Geld es wirklich geht, zeige ich Ihnen, indem ich einen Punkt aus dem Klimaschutzprogramm herausgreife: die zusätzliche Ausschreibung von 12.000 Megawatt (MW) Windkraft ab dem Jahr 2027, was rund 2.000 Windkraftanlagen entspricht.
Mehr Windkraftausschreibungen erhöhen die Zuzahlungen aus dem Bundeshaushalt
Noch im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) der Ampel war das Ziel festgelegt worden, bis 2030 bei der Windkraft insgesamt 115.000 MW installierte Leistung zu erreichen. Dazu sollten jedes Jahr 10.000 MW Windkraft ausgeschrieben werden, die maximal 7,25 Cent pro Kilowattstunde (kWh) Einspeisevergütung bekommen sollen. Mit Stand vom 31. März 2026 hatten wir 69.000 MW Windkraft in Deutschland.
Um das Ziel von Rot-Grün-Gelb nicht zu verfehlen, hat die Bundesregierung nun die Ausschreibungsmenge um 12.000 MW erhöht. Das führt aber zu mehr Anlagen mit höherer Vergütung. Denn bislang gab es mehr Anträge als 10.000 MW im Jahr, sodass die höchsten Zuschlagswerte wegfielen und die zukünftigen Betreiber einander tatsächlich unterbieten mussten, um den Zuschlag zu erhalten. Dadurch erfolgte die Vergabe oft bei deutlich unter 7,25 Cent pro kWh.
Mit der Mengenausweitung wird es Projektierern wieder eher möglich, ihre Gebote so nahe wie möglich am Höchstwert zu platzieren, weil nahezu alles, was beantragt wird, auch bedient wird.
Es gibt aber noch einen zweiten kostentreibenden Effekt der Mehrausschreibung von 12.000 MW Windkraft. Mehr Windkraftanlagen im Bestand senken zusätzlich den Börsenstrompreis, dann, wenn es Wind gibt. Dann bekommt der Betreiber die Differenz zwischen Börsenpreis, der dann umso öfter nahe Null sein wird, und seinem Gebotspreis von bis zu 7,25 €ct/kWh aus dem Bundeshaushalt ersetzt.
Höherer Zuschlagswert und häufigere Zuzahlung wegen eines niedrigen Börsenpreises führen zu einer höheren Subvention aus dem Bundeshaushalt. Dr. Christoph Canne von der Bundesinitiative Vernunftkraft hat das ausgerechnet: Es führt zu einer Zusatzsubvention von weiteren acht Milliarden Euro über die nächsten 20 Jahre. Darüber verliert Minister Schneider kein Wort.
So machen es die Schildbürger: Windkraftanlagen dorthin, wo kein Wind weht
Er verbirgt sich im Klimaschutzprogramm zur Windenergie noch ein weiterer Anschlag auf den Bundeshaushalt. Bundesminister Schneider möchte, dass mehr Windenergie im Süden Deutschlands platziert wird. So heißt es im Klimaschutzprogramm 2026 auf Seite 24:
„Das Referenzertragsmodell wird zu einer regional ausgewogenen Verteilung insbesondere auch für Windenergie im Süden beitragen.“
Was so harmlos klingt, kostet weitere zusätzliche Milliarden und ist ein Verstoß gegen die Koalitionsvereinbarung, in der es noch hieß, dass man das Erneuerbare-Energien-Gesetz „auf Kosteneffizienz unter anderem hinsichtlich unwirtschaftlicher Schwachwindstandorte“ überprüfen will.
Worum geht es? Im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) ließ Robert Habeck § 36h hinzufügen. Weil es sich mit der normalen EEG-Vergütung nicht rechnet und niemand auf die Idee käme, im windschwachen Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen und im südlichen Rheinland-Pfalz ein Windkraftwerk zu errichten, wurde damit ein Korrekturfaktor ins Gesetz eingebracht, der die EEG-Vergütung für den Süden auf das bis zu 1,55-Fache erhöht.
Dies gilt für Standorte, an denen der Wind nur 50 Prozent des bundesdeutschen Referenzstandortes ausmacht. Wenn es 60 Prozent sind, erhöht sich der Zuschlag auf das 1,42-Fache, bei 70 Prozent noch auf das 1,29-Fache.
Es ist wie bei den Schildbürgern: Dort, wo wenig Wind ist, ist Windenergie besonders unwirtschaftlich, wird deswegen besonders gefördert und dafür bezahlt der Steuerzahler mehr.
Bayerns Griff in den Bundeshaushalt
Der Referenzstandort für große Anlagen in Deutschland liegt bei etwas über 3.000 Volllaststunden im Jahr. Windräder in Bayern und Baden-Württemberg schaffen im Durchschnitt etwa 50 bis 70 Prozent dessen. Der Durchschnitt dürfte bei 60 Prozent, also etwa 2.000 Volllaststunden, liegen. Für diese eigentlich unwirtschaftlichen Standorte wird dann bis zu 1,42 mal 7,25 Cent/kWh, sprich 10,3 Cent/kWh, gezahlt.
Der durchschnittliche Marktwert für Windenergie an Land lag im letzten Jahr wiederum bei nur 7,44 Cent/kWh. Die Differenz zwischen 10,3 und 7,44 Cent/kWh beträgt 2,86 Cent/kWh. Eine heute übliche 6-MW-Anlage kommt bei 2.000 Volllaststunden auf 12 Millionen kWh. Das ergibt einen zusätzlichen Subventionsbedarf von 343.200 Euro. Pro Anlage. Pro Jahr.
Bei 2.000 Anlagen sprechen wir von 686.400 Millionen Euro im Jahr mit einer 20-Jahres-Garantie. Das macht dann über 20 Jahre knapp 14 Milliarden Euro. Dieses Geld kommt aus dem Klimaschutzfonds, der mit dem Geld der Bürger und der Betriebe aus den CO₂-Abgaben auf Gas, Öl, Benzin und Strom gespeist wird.
Solche Tricks zulasten der Bürger war man von der Ampel gewohnt, die Bundesregierung macht dort weiter. Nur der Freistaat Bayern macht das Loch noch größer. Auf Antrag der Landesregierung Bayern, eingebracht vom Bundesvorsitzenden der Freien Wähler, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, hat der Bundesrat am 27. März beschlossen, schon in diesem Jahr die Ausschreibungsmenge um weitere 5.000 MW Windkraft zu erhöhen, sodass alle, die bislang bei der Ausschreibung wegen zu hoher Preise zu kurz gekommen sind, noch in diesem Jahr in den Genuss der EEG-Subvention kommen sollen. Das ist Wind-Lobbyismus auf Kosten der Steuerzahler in Reinform. Zugestimmt haben dennoch alle Bundesländer außer Sachsen. Letztere haben sich enthalten.
Die Märchenerzähler von Berlin
Um die verfehlte Energiewende weiter fortsetzen zu können, scheut sich die Bundesregierung auch nicht davor, Unwahrheiten zu verbreiten. In der Einleitung des Klimaschutzprogramms 2026 begründet sie die Maßnahmen des Programms mit dem Pariser Klimaabkommen. So schreibt die Bundesregierung: „Bis Mitte des Jahrhunderts solle die globale Bilanz der Treibhausgasquellen und -senken ausgeglichen sein.“
Im Pariser Klimaabkommen heißt es aber in Artikel 4, dass „in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ein Gleichgewicht zwischen den anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen aus Quellen und dem Abbau solcher Gase durch Senken […] herzustellen“ ist. Dies ist auf der Website des Bundesumweltministeriums nachzulesen.
Die „zweite Hälfte des Jahrhunderts“ heißt zwischen 2051 und 2099. Das war damals so formuliert worden, weil Indien erklärt hatte, nicht vor 2070 ein solches Ziel erreichen zu wollen. China strebte dies nicht vor 2060 an. Die EU will 2050 treibhausgasneutral sein. Die USA und Argentinien wollen überhaupt kein Ziel in diesem Jahrhundert festlegen.
Warum in aller Welt fälscht die Bundesregierung den Text des Pariser Abkommens in ihren offiziellen Dokumenten, um in Abweichung von Paris bereits 2045 treibhausneutral zu werden? Da wird man als Antwort hören: Das Bundesverfassungsgericht hat uns aufgegeben, 2050 klimaneutral zu werden.
Das war naturwissenschaftlich höchst fragwürdig. Aber kein Bundesverfassungsgericht würde die Bundesregierung daran hindern, anstatt 2045 die Zahl 2050 ins Klimaschutzgesetz zu schreiben. Und schon hätten wir heute eine Gnadenfrist von fünf Jahren gewonnen, um der höchstbedrängten Industrie und den durch CO₂-Steuern abkassierten Bürgern Luft zu verschaffen.
Was die Bundesregierung tun könnte
Ein fünfjähriges Moratorium für die europäischen und deutschen Klimasonderlasten würde unmittelbar ein neues Wirtschaftswunder entfachen. Doch Kanzler Merz hatte es im März 2025 für nötig befunden, mithilfe von Grünen und Linken die Jahreszahl 2045 in das Grundgesetz, Artikel 143 h, zu schreiben. Diese Zahl wieder zu ändern, ist schwierig, weil SPD, Grüne und Linke auf absehbare Zeit eine Sperrminorität von 25 Prozent zustande bringen werden. Das Klimaschutzgesetz auf die Zahl 2050, und damit wieder auf EU-Norm hochzusetzen, ist durch diese Operation nicht einfacher geworden.
Unabhängig hiervon könnte und müsste sich die Bundesregierung den Nationen Italien, Tschechien, Polen, Belgien, Ungarn und Griechenland anschließen, die die CO₂-Bepreisung für die nächste Zeit aussetzen wollen.
Die Bundesregierung könnte ohne Weiteres bis 2028 die Verteuerung von Gas, Öl, Benzin und Diesel durch die CO₂-Steuer aussetzen und damit ein beispielloses Konjunkturprogramm entfachen. Wenn überhaupt, soll es hierfür erst 2028 einen europäischen CO₂-Emissionshandel geben.
Die Bundesregierung könnte sofort das Fracking-Verbot für Deutschland aufheben, was zu einer Reindustrialisierung Deutschlands führen würde.
Die Bundesregierung könnte das Kernkraftverbot aufheben.
Die Bundesregierung könnte sofort den Kohleausstieg bei noch 27 großen Kohlekraftwerken beenden oder aufschieben.
Zwar liebäugelt Bundeskanzler Merz mit einer Verschiebung des Kohleausstiegs. Derweil hat sich sein Parteikollege, Ministerpräsident Wüst, in Nordrhein-Westfalen feiern lassen, dass er die rheinischen Braunkohlereviere, mit Rheinwasser volllaufen lassen will.
Das würde diesen Kohlenstoffschatz, der den nächsten Generationen noch hunderte Jahre Energie liefern könnte – und zwar für Strom und für Kraftstoffe aus Kohle, wie es Helmut Schmidt in den 70er-Jahren untersuchen ließ – unwiederbringlich zerstören.
Es liegt an uns, den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes, zum Ausdruck zu bringen, wenn wir mit dieser Politik nicht einverstanden sind.
Dieser Artikel erschien im Original auf klimanachrichten.de unter dem Titel „Fritz Vahrenholt: Die Bundesregierung verpulvert weiter Milliarden für die grüne Energiewende“. (redaktionelle Bearbeitung: red.)

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