Plötzlich ist der Begriff „Linksfaschismus“ wieder aktuell
Bild: Gemeinfrei
Vordergründig geht es um eine Regierung für Berlin. Oder Gen-Z-Demos. Im Hintergrund tobt ein Kampf der Ideologien. Wo ziehen Linke ihre „roten Linien“?
Der Linken-Parteitag, die Gen-Z-Demonstrationen und die Debatten-Welle um Elif Eralp und die Verstrickung der Linken ins Pali-und Clan-Milieu: An diesem Wochenende verdichtet sich – zum ersten Mal in dieser Dimension – ein neues politisches Phänomen, eine sogenannte Querfront.
Bislang wollten die Parteien der Mitte wenig bis nichts davon wissen. Das ändert sich gerade. Man kann dankbar sein für den Schub der Eralp-Debatte: Weil jetzt ins grelle Licht gerät, was bisher im Verborgenen blühte. Gar nicht nebenbei gerät eine – aus Bequemlichkeit – selbstgewählte bürgerliche und links-mittige Ignoranz an ihr Ende.
Seit Donnerstag kursiert ein Flyer in den sozialen Medien, der die bei der Polizei ordnungsgemäß angemeldete Schüler-Demonstration um die Sorgen und Nöte der Jugend umfunktionieren will – augenscheinlich nach französischem „Islamogauchisme“-Vorbild.
„Gen Z stands with Lebanon and Palestine“ steht groß darauf. Worum es geht, wird nicht verschwiegen: „Gen Z to the streets, until Palestine is free.“ Die Generation-Z-Demo (der zwischen 1995 und 2010 Geborenen) soll stattfinden an einem Hotspot der digitalen Jugendkultur – dem Rosenthaler Platz in Berlin. Was haben Jugendproteste, die Lehrermangel und verwahrloste Schulen adressieren, mit Israel und Palästina zu tun?
Israel aus der linken Perspektive
Es ist eine linke Ideologie. Israel definiert es als kapitalistisches, neokoloniales Siedlerprojekt, das revolutionär beseitigt werden muss. Das revolutionäre Subjekt sind für eine harte Linke nicht nur angeblich unterprivilegierte arabische Migranten, die als Opfer eingestuft werden, sondern auch die westliche Jugend, die selbst Opfer sein soll – nämlich kapitalistischer Verhältnisse.
In einem bemerkenswerten Stück über die trotzkistische Gruppierung „Marx 21“, die einen gewichtigen Einfluss in der Linkspartei hat, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) aus einem von deren Dokumenten. Es stammt aus dem April 2023:
„Da der zionistische israelische Staat nicht nur rassistisch, sondern ein wesentlicher Bestandteil des westlichen Imperialismus ist, muss er im Zuge eines antiimperialistischen, revolutionären Aufstands in der gesamten Region zerstört werden.“
Israel müsse zerstört und durch eine „Einstaatenlösung“ ersetzt werden, denn der Staat der Juden sei ein „siedlerkoloniales Konstrukt und von Apartheid gekennzeichnet“.
Es ist derselbe Geist, der Israel nicht nur „Apartheid“, sondern auch einen „Genozid“ vorwirft – also: den Opfern eines der größten Menschheitsverbrechen vorhält, selbst zu Tätern geworden zu sein. Nicht besser als die Nazis, von denen ihre Vorväter einst vergast wurden.
Der Einfluss der Trotzkisten in der Linken
Oskar Lafontaine, Ex-SPD-Chef und die wohl wichtigste Gründungsfigur der Linken, redete bei Marx 21. Ebenso wie Katja Kipping, die heute Geschäftsführerin und Abteilungsleiterin beim einflussreichen Paritätischen Wohlfahrtsverband ist.
Die derzeitige Linken-Parteivorsitzende Ines Schwerdtner stuft Marx 21 unter linkem „Meinungspluralismus“ ein. Eine der Linken-Vorsitzenden, Janine Wissler, sei, so die „FAZ“, 20 Jahre bei Marx 21 gewesen, bevor sie, unmittelbar vor der Übernahme des Spitzenamtes, dort austrat.
Marx 21 habe, so schreibt es „FAZ-Mann“ Wehner, ein Historiker und Extremismusexperte, „entscheidenden Einfluss auf den Bezirksverband Neukölln“ der Linken. Aus dem linke Gallionsfiguren wie Ferat Kocak und Vanessa Emde stammen. Mit denen sich nun die linke Spitzenkandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin, Elif Eralp, herumschlägt – zwecks Antisemitismus-Klärung.
Die Linke als „antisemitischer Sumpf“
Armin Laschet, als rheinischer Katholik immun gegen Ideologien, sieht die Linke als „toxische Mischung einer linksextremen, in Teilen antisemitischen Partei, Terror- und Hamas-Unterstützern und Clan-Kriminellen“. Laschet ist einer der ersten Bürgerlichen, der sich so dezidiert zu „islamolinks“ äußert.
Henryk Broder, ein hochgebildeter rhetorischer Schwertkämpfer in den Diensten des pro-israelischen Springer-Verlags, nennt Linken-Spitzenkandidatin Eralp das „harmlose Gesicht des linken Faschismus“.
Die Linke, das sei ein „antisemitischer Sumpf“, sagt Broder – und zitiert aus einem Zwiegespräch mit dem über Parteigrenzen hinweg respektierten Ex-Linken-Fraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch.
Broder: „Wenn du die Antisemiten aus der Partei loswirst, wähle ich euch.“
Bartsch: „Dann müsste ich die halbe Partei rausschmeißen.“
„Linksfaschismus“ – ’68 und heute
Linksfaschismus? Erfinder dieses Begriffs, der zusammenbringt, was angeblich nicht zusammengehört, ist niemand Geringeres als eine Ikone der linken Geisteswissenschaft – Jürgen Habermas. Linksfaschismus – das schleuderte er, aus Enttäuschung über die sich zunehmend radikalisierende 68er Bewegung, dem Studentenführer Rudi Dutschke entgegen.
Linksfaschismus, das spielte auch auf einem Parteitag der SPD eine Rolle – im Frühjahr des linken „Revolutionsjahrs“ 68. Horst Ehmke, immerhin ein Ex-Bundesjustizminister, nahm Stellung zu den gerade in Frankreich (!) aus dem Ruder gelaufenen Jugendprotesten:
„Soweit sie Diskussionen sprengt, Vorlesungen stört, Zeitungen verbrennt und Fensterscheiben zerstört, verdient sie durchaus, als linker Faschismus bezeichnet zu werden.“
Die Linke, so Ehmke, einer der engsten Vertrauten des späteren SPD-Bundeskanzlers Willy Brandt, werde die Rechte (Ehmke nannte sie die „Reaktion“) so gerade nicht bekämpfen, sondern: „mitproduzieren“.
Eine Linke, die eine Rechte „mitproduziert“ – was Ehmke vor 60 Jahren hellsichtig formulierte, ist gerade in Berlin wieder sehr aktuell geworden. Wo ist eigentlich, angesichts ideologischer Klärungsnotwendigkeiten, gerade der neue Stern der SPD, Manuela Schwesig?
Islamogauchisme und seine Geschichte
Zur Aufklärung über die Islamolinke trägt einer der wichtigsten Chronisten des Judentums in Deutschland bei. Michael Wolffsohn hält fest, dass seit dem 7. Oktober 2023, dem größten Post-Holocaust-Massaker an Juden durch Araber (Palästinenser), die Juden vor allem von links bedroht würden – und nicht nur in Deutschland:
Bedroht – durch „die Allianz aus Islamisten und ihren Freunden und Helfern, Salonlinken, vielen Kulturschaffenden und den Linksextremisten, in Frankreich Islamogauchisten genannt“.
„Folgerichtig“ führten und verführten diese linken Judenhasser Westeuropas muslimische Wähler, unter denen viele Israelhasser seien. „Zu diesen führenden linken Verführern zählen La France Insoumise des Judenhassers Jean-Luc Mélenchon, der Jeremy-Corbyn-Flügel der britischen Labour-Party sowie natürlich die Partei Die Linke in Deutschland.“
Zu den Ironien der Geschichte zählt, dass der „Islamo“-Teil von „Islamogauchisme“ auf das Engste historisch verflochten ist mit dem deutschen Nationalsozialismus. Der arabisch-palästinensische israel-eliminatorische Judenhass geht zurück auf den Großmufti von Jerusalem, al-Husseini. Der war der engste arabische Kollaborateur der Nazis, Mentor dann von Jassir Arafat, dem jahrzehntelangen Palästinenserführer.
Dessen Armee, die Fatah, griff gern auf das paramilitärische Wissen von Nazis zurück – woraus sich dann in den 70er Jahren wiederum eine Zusammenarbeit von PLO und Neonazis, etwa der Wehrsportgruppe Hoffmann, entwickelte. Linksradikal, islamistisch, eine neue anti-westliche, linke Querfront entsteht – mit rechtsradikalen Bezügen. Es geht um weit mehr als Elif Eralp.
Quelle: Focus | Bear.red.
