Orden für ein Regime der Unterdrückung
Papst Leo XIV. hat Mohammad Hossein Mokhtari, dem Botschafter der Islamischen Republik Iran beim Heiligen Stuhl, die höchste diplomatische Auszeichnung des Vatikans, den Päpstlichen Orden des Pius IX., verliehen. Bild: (MNA)
Mit der Verleihung des höchsten diplomatischen Ordens des Vatikans an den iranischen Botschafter Mohammad Hossein Mokhtari hat Papst Leo XIV ein Signal gesetzt, das weit über höfliche Diplomatie hinausgeht.
Laut mehreren Berichten wurde der „Order of Pius IX“ ausdrücklich für angebliche Beiträge zu „Frieden“, „Dialog“ und „friedlicher Koexistenz“ verliehen.
Das Problem daran ist nicht nur die Symbolik. Das Problem ist die groteske Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität.
Denn ausgezeichnet wurde nicht der Vertreter einer liberalen Demokratie oder eines Vermittlerstaates, sondern der Botschafter eines Regimes, das seit Jahrzehnten Oppositionelle verfolgt, Frauen entrechtigt, religiöse Minderheiten unterdrückt und Konvertiten zum Christentum mit Gefängnis oder sogar dem Tod bedroht. Gerade Christen im Iran leben unter massiver staatlicher Repression. Gleichzeitig präsentiert der Vatikan dieses System offenbar als Partner des „interreligiösen Dialogs“.
Ist die Kirche nicht fähig zu lernen?
Man muss sich die Absurdität vor Augen führen: Während iranische Sicherheitsorgane Dissidenten verfolgen und das Mullah-Regime seine Macht durch Angst, Ideologie und Gewalt absichert, verleiht der Heilige Stuhl dessen Vertreter eine der höchsten diplomatischen Ehrungen des Vatikans – ausgerechnet im Namen des Friedens.
Die offiziellen iranischen Staatsmedien feiern die Auszeichnung bereits offen als Anerkennung der iranischen Außenpolitik und verknüpfen sie mit der vatikanischen Kritik an amerikanischen und israelischen Militäraktionen gegen Iran.
Das Regime versteht diese Ehrung also keineswegs als neutralen diplomatischen Akt, sondern als propagandistischen Prestigegewinn.
Besonders irritierend wirkt dabei die Sprache der Begründung. Dort ist von „Weisheit“, „Toleranz“ und „friedlicher Koexistenz“ die Rede. Ausgerechnet Begriffe, die in direktem Widerspruch zur innenpolitischen Realität der Islamischen Republik stehen.
Natürlich gehört Diplomatie zum Wesen des Vatikans. Der Heilige Stuhl pflegt traditionell Kontakte auch zu autoritären Staaten. Dialog ist grundsätzlich nichts Verwerfliches. Doch zwischen Gesprächsbereitschaft und öffentlicher Ehrung besteht ein fundamentaler Unterschied.
Wer Orden verteilt, verteilt moralische Legitimation.
Und genau hier liegt die Kritik: Der Vatikan scheint erneut einem außenpolitischen Reflex zu folgen, in dem antiwestliche Rhetorik schneller als „Friedensbotschaft“ akzeptiert wird als die Realität autoritärer Herrschaftssysteme.
Das Ergebnis wirkt wie eine moralische Schieflage: Demokratien werden regelmäßig scharf kritisiert, während Vertreter eines islamistischen Unterdrückungsapparates mit päpstlichen Orden dekoriert werden.
Die Frage ist daher berechtigt: Was genau qualifiziert das iranische Regime heute als globales „Aushängeschild für Frieden und Dialog“?
Die brutale Niederschlagung der „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste?
Die systematische Unterdrückung von Frauen?
Die Verfolgung religiöser Minderheiten?
Oder die Unterstützung radikaler Milizen in der Region?
Wenn der Vatikan seine höchste diplomatische Ehrung an einen Vertreter Teherans vergibt, sendet er nicht nur eine diplomatische Botschaft. Er sendet auch ein moralisches Signal an jene Iraner, die seit Jahren für Freiheit, Menschenrechte und Religionsfreiheit kämpfen – und dieses Signal dürfte für viele wie ein Schlag ins Gesicht wirken.
Denn Orden für „Frieden und Dialog“ verlieren ihren moralischen Wert, wenn man sie an Regime vergibt, die genau diese Werte im eigenen Land systematisch unterdrücken.
Quelle: https://en.mehrnews.com/

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