Trotz Kürzungen: Deutschland wird größter Geber im Bereich der Entwicklungshilfe
Bild: KI
Deutschland hat seine Ausgaben für internationale Entwicklungshilfe im Jahr 2025 deutlich reduziert und verfehlt erneut die Zielmarke der Vereinten Nationen. Dennoch rückt die Bundesrepublik erstmals zum größten Geberland weltweit auf – vor allem, weil andere Staaten noch stärker kürzen.
In Kürze:
- Deutschland verfehlt UN-Ziel von 0,7 Prozent Entwicklungshilfe
- Nach Rückzug der USA: Deutschland größter Geber
weltweit - Rückgang der Hilfe um 23,1 Prozent – historischer Einbruch
- Kritik von Hilfsorganisationen und Experten
Deutschland hat im Jahr 2025 rund 0,56 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für öffentliche Entwicklungshilfe aufgewendet. Dies teilte die OECD mit. Damit bleibt die Bundesrepublik erneut unter dem auf UN-Ebene vereinbarten Ziel. Dieses sieht als Richtwert 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens vor, die für Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben werden sollen.
Das Bruttonationaleinkommen erfasst das Einkommen aller Inländer eines Landes, unabhängig davon, ob es im Inland erzielt wird oder aus dem Ausland zufließt.
USA verringern Entwicklungshilfe um 56,9 Prozent
Etwa 17 Prozent der deutschen Entwicklungshilfe werden angerechnet – sie entsprechen den Ausgaben, die Deutschland für Flüchtlinge im eigenen Land aufbringt. Ohne diese würde der Gesamtanteil bei rund 0,46 Prozent liegen. In absoluten Zahlen stellte Deutschland etwa 26 Milliarden Euro für die Entwicklungshilfe zur Verfügung.
Den inflationsbereinigten Daten zufolge reduzierte Deutschland seine Ausgaben gegenüber dem Jahr zuvor um etwa 23 Prozent. Trotzdem rückte das Land zur Nummer eins aller internationaler Geberländer auf – vor allem, weil der bisherige Spitzenreiter, die USA, ihre Zahlungen massiv reduzierte.
Die USA gaben um 56,9 Prozent weniger für die Entwicklungshilfe aus als 2024, was unter anderem auf die von der Regierung Trump veranlasste Schließung der Entwicklungsbehörde USAID zurückzuführen ist.
Mit 29 Milliarden US-Dollar (24,6 Milliarden Euro), die in diesen Bereich flossen, fielen die Vereinigten Staaten damit knapp hinter Deutschland zurück. Auf den Plätzen drei und vier folgten Großbritannien (14,6 Milliarden Euro) und Japan (13,7 Milliarden Euro).
„Stärkster jährlicher Rückgang in der Geschichte“
Die OECD-Geberländer haben im Jahresvergleich zu 2024 ein Minus von 23,1 Prozent weniger Entwicklungsprogramme beigesteuert. Die Organisation nennt das den „stärksten jährlichen Rückgang in der Geschichte der Entwicklungshilfe“.
Deutschlands Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) zufolge gingen die deutschen Beiträge hauptsächlich in die Bekämpfung von Armut, Hunger oder der Folgen des Klimawandels.
Im Zuge der deutschen Haushaltsdebatte musste ihr Ministerium empfindliche Kürzungen im Etat hinnehmen – diese belaufen sich auf fast 1 Milliarde Euro. Die Ministerin kündigte angesichts der knapperen Mittel eine strengere Priorisierung an.
Der Bundesverband entwicklungspolitischer und humanitärer Nichtregierungsorganisationen (VENRO) befürchtet ein weiteres Zusammenstreichen deutscher Entwicklungshilfe. Einer jüngst veröffentlichten Studie zufolge rechnet der Verband mit einer Verringerung der deutschen Entwicklungshilfequote bis 2027 auf 0,39 Prozent.
Selbst das ist jedoch überdurchschnittlich. Im Schnitt sank die Entwicklungshilfequote unter allen von der OECD untersuchten Staaten auf 0,26 Prozent. Nur Dänemark, Luxemburg, Norwegen und Schweden erreichten die UN-Zielmarke von 0,7 Prozent.
Kritik von Hilfswerken
Hilfsorganisationen und Entwicklungsverbände reagieren mit deutlicher Kritik auf die Einschnitte. Kirchliche Werke wie Brot für die Welt, Misereor, Caritas International und die Diakonie Katastrophenhilfe sprechen laut dem „Evangelischen Pressedienst“ von einer „gefährlichen Abwärtsspirale“.
Caritas-Vorstand Oliver Müller warnt vor möglichen Folgen für besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen sowie vor zunehmender Instabilität.
Sicherheitsexperte Philipp Rotmann vom Berliner Thinktank „Global Public Policy Institute“ erklärte, die Kürzung deutscher Entwicklungshilfe und vor allem jene der USA schaffe eine „tödliche Lücke“.
Wo westliche Industrieländer fehlten, würden China und Russland einspringen – und ihren Einfluss erweitern.
Die OSZE selbst rechnet mit noch weiter rückläufigen Entwicklungshilfeausgaben für das laufende Jahr.
Die Rede ist von etwa 5,8 Prozent. OECD-Generalsekretär Mathias Cormann mahnte, angesichts wachsender Krisen sei darauf zu achten, die Wirkung der Mittel zu maximieren.
Gleichzeitig wächst in den Empfängerländern selbst die Kritik am alten Modell der Entwicklungshilfe, bei dem der Westen auf „paternalistische Weise“ bestimmen wolle, wohin sich die Entwicklung zu vollziehen habe.
Die Bundesregierung betont hingegen, die Verknüpfung von Entwicklungshilfe mit Stabilitäts- und Sicherheitszielen könne deren Wirksamkeit erhöhen.
Entwicklungshilfe teils als verschwenderisch wahrgenommenen
Aber auch in Deutschland selbst hatte es zuletzt Kritik an einigen als ideologisch oder zumindest verschwenderisch wahrgenommenen Projekten gegeben. So hatte es in der früheren Ampelkoalition Unstimmigkeiten gegeben, nachdem der damalige Bundesfinanzminister Christian Lindner die Praktiken des Bundesentwicklungshilfeministeriums kritisiert hatte.
Er erklärte damals, man könne sich „nicht überall auf der Welt wie bisher oder wie gewünscht engagieren“. Gegenüber dem ZDF erklärte er:
„Bundeswehr und Ukraine ja, aber wir können nicht mehr jeden Radweg in Peru mit dem Geld der deutschen Steuerzahler bezahlen.“
Damit spielte Lindner auf Projekte im Rahmen der „Klimakooperation“ an, im Zuge derer der Bund zwischen 2020 und 2022 Zuschüsse in Höhe von rund 44 Millionen Euro für Fahrradschnellwege und Radwege in Peru bereitgestellt hatte, ergänzt durch Kredite für ein umweltschonendes Bussystem.
Kritik übte damals auch der Ökonom Daniel Stelter im „Handelsblatt“. Dort äußerte er, man fördere unter dem Banner der Entwicklungshilfe, „was hierzulande gefällt, nicht, was wirklich den Ländern hilft“.
Als Beispiele nannte er Projekte zu „feministischer Entwicklungspolitik“, Gender-Trainings oder „Graswurzelorganisationen“. Zudem versickere „ein erheblicher Teil der Mittel in ineffizienten Strukturen“ oder lande in den Taschen korrupter Eliten.
Quelle: Epoch Times – Bearbeitung: red.

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