Wie eine junge Ärztin um eine barrierefreie Praxis kämpft
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Die Praxis von Diabetes-Spezialistin Julia-Katharina Walther platzt aus allen Nähten. Sie will Abhilfe schaffen. Doch das Vorhaben droht an Bauvorschriften zu scheitern.
„Es war ein Herzensprojekt“, sagt die Medizinerin Julia-Katharina Walther. Gemeint ist der Umzug ihrer Praxis in neue barrierefreie Räume. Doch der ist in weite Ferne gerückt. 2023 hat sich die promovierte Ärztin in der Bad Dürkheimer Philipp-Fauth-Straße niedergelassen.
Dort betreibt sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Roland Schätz eine Hausarztpraxis mit diabetologischem Schwerpunkt. Walther hat in der Region ein Alleinstellungsmerkmal: Sie darf auch Typ-1-Diabetiker behandeln – Menschen, deren Körper kein Insulin mehr produziert.
Weil die Praxis in der Philipp-Fauth-Straße nicht ausreicht, hat sie im Domiciliahaus in der Mannheimer Straße Räume für eine Fußambulanz angemietet. Die sind aber nur über einen Fahrstuhl barrierefrei zu erreichen. „Das war von Anfang an als Notlösung gedacht.
Wenn der Fahrstuhl ausfällt, kommen Patienten mit schwersten Wunden nicht zu uns“, verdeutlicht die Ärztin. „Wenn wir eine Wunde nicht behandeln können, kann das bedeuten, dass eine Amputation ansteht.“ Und der Aufzug fällt häufiger aus.
Viele Patienten, die Walther behandelt, können nicht gut laufen. 60 Prozent, schätzt die Medizinerin, würden mit dem Auto oder einem Fahrdienst kommen. Parkplätze in unmittelbarer Nähe sind daher essenziell. Auch deswegen ist die Situation in den aktuellen Räumen für sie nicht mehr tragbar.
Idee des Ärztehauses scheitert
Schon 2023 entstand die Idee, ein Ärztehaus auf dem Gelände der elterlichen Dachdeckerei im Bruch zu errichten. Dort sollte Walthers Praxis ebenso Platz finden wie Räume für andere Mediziner. Walther ist gut vernetzt, engagiert sich bei den Südpfalz-Docs – einem Verein, der dem Ärztemangel den Kampf angesagt hat.
„Im Bereich der Diabetologen kommt der Mangel nicht erst noch, wir sind mittendrin“, verdeutlicht Walther. Kürzlich hat eine Praxis in Worms geschlossen. Die nächsten Praxen mit diabetologischem Schwerpunkt sind in Ludwigshafen, Grünstadt oder Neustadt. Die Kassenärztliche Vereinigung hat bei ihr angerufen und gefragt:
„Wie viele Diabetiker können Sie denn nehmen?“ Doch Walthers Praxis ist bereits an der Kapazitätsgrenze.
Abhilfe ist derzeit nicht in Sicht: Das geplante Ärztehaus scheiterte zunächst an den Bauvorschriften fürs Gewerbegebiet Bruch. Es wäre zu hoch gewesen. „Da ging es um 70 Zentimeter“, erklärt Felix Meier, Walthers Ehemann. Schließlich seien die Baukosten auf zehn Millionen Euro explodiert.
Selbst in abgespeckter Form wäre der Neubau unwirtschaftlich gewesen. Prinzipiell, betonen Walther und Meier, sei ihnen aber von der Stadtverwaltung signalisiert worden, dass eine Praxis im Bruch möglich sei.
Dann rückte der Kauf einer Immobilie gegenüber dem Hit-Markt in den Blick. Walther und Meier schlugen zu – in der Hoffnung, dort wenn schon kein Ärztehaus, dann wenigstens die eigene Praxis unterbringen zu können. „Wir waren so blöd und haben uns nicht erkundigt, ob das dort machbar ist“, räumt Meier ein.
Nicht mit Bebauungsplan vereinbar
Tatsächlich hält die Stadtverwaltung eine Arztpraxis an dieser Stelle für unvereinbar mit dem Bebauungsplan. Das Vorhaben scheiterte im Bauausschuss, der das Einvernehmen versagte. Eine grundsätzlich im Baugesetzbuch vorgesehene Befreiung vom Bebauungsplan aus Gründen des Allgemeinwohls hält die Stadt in dem Fall für nicht anwendbar:
„Die Voraussetzungen sind vorliegend nicht gegeben, da die Grundzüge der Planung berührt werden. Zudem ist im Sinne des Gleichbehandlungsgrundsatzes sicherzustellen, dass für alle Antragsteller dieselben rechtlichen Maßstäbe gelten“, betont eine Sprecherin.
Als „Grundzüge der Planung“ bewerten Stadt- und auch Kreisverwaltung vor allem die im Bebauungsplan verankerte bewusste Beschränkung auf Handel in diesem Teil des Gewerbegebiets. Zur Stärkung der Innenstadt sei es außerdem das Ziel, Praxen dort zu halten und nicht auf die grüne Wiese abwandern zu lassen, argumentiert die Stadt.
Auch die Kreisverwaltung betont, dass die Vorgaben des Bebauungsplans dem Vorhaben entgegenstehen. Da die Stadt ihr Einvernehmen verweigert habe, könne eine Baugenehmigung nicht in Aussicht gestellt werden.
Die Argumente überzeugen Walther nicht, die mittlerweile einen Anwalt hinzugezogen hat. Im Gewerbegebiet gebe es eine Reihe von Dienstleistern – Friseur, Anwalt oder Musikschule. Sie hat vorgeschlagen, im vorderen Gebäude-Bereich einen Laden rund um die Versorgung von Diabetespatienten einzurichten, um den Anforderungen des Bebauungsplans gerecht zu werden.
Auch das Angebot, die Genehmigung der Praxis zeitlich zu befristen, bis adäquate Flächen innerstädtisch zur Verfügung stehen, wurde von der Stadt abgelehnt. Das bestätigt die Sprecherin:
„Eine zeitliche Befristung kann bestehende planungsrechtliche Konflikte nicht automatisch überwinden.
Die Stadtverwaltung ist der Auffassung, dass eine befristete Baugenehmigung im vorliegenden Fall rechtlich nicht anwendbar ist.“ Die Kompromisslosigkeit der Behörden versteht die Medizinerin nicht: „Wir laufen doch alle in die gleiche Richtung.“
Petition mit 1500 Unterstützern
Die Stadt habe ihnen in der Innenstadt durchaus Räume angeboten, sagen Walther und Meier. Nur seien diese ungeeignet für eine Praxis mit diabetologischem Schwerpunkt gewesen. Dabei sei der Ärztemangel auch in Bad Dürkheim längst Realität. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept für die gesundheitliche Versorgung. Das ist das Rückgrat einer Gesellschaft“, sagt Meier.
Seine Ehefrau hat derweil Ende Mai einen Runden Tisch für alle Gesundheitsberufe einberufen, um die Situation in der Kurstadt zu analysieren und Vorschläge zu erarbeiten. Gerne würde sie auch Ärzte ausbilden – bräuchte dafür aber geeignete Räume.
Trotz Offerten anderer Gemeinden für ihr Vorhaben will Walther Bad Dürkheim nicht verlassen: „Ich möchte hier bleiben. „Am Ende wären die Patienten die Leidtragenden“, sagt sie. „Wir wollen, dass das Thema Gesundheit den Stellenwert bekommt, den es verdient. Das ist derzeit nicht der Fall“, ergänzt Meier.
Dem widerspricht die Stadtverwaltung: Die Stadt Bad Dürkheim verfolge weiterhin das Ziel, ihre Rolle als Gesundheitsstandort zu stärken und attraktive Rahmenbedingungen für medizinische Einrichtungen zu schaffen.
Dazu gehöre, gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten nach geeigneten Entwicklungsmöglichkeiten zu suchen. Dies müsse jedoch stets im Einklang mit den geltenden gesetzlichen Vorgaben erfolgen.
Walther hat im Internet eine Petition gestartet, um auf ihren Fall aufmerksam zu machen. So ganz will sie ihr Herzensprojekt also doch nicht aufgeben. Knapp 1500 Unterzeichner der virtuellen Petition unterstützen die Ärztin dabei.
Quelle: ron.de (bearb. red.)

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