Warum der Kampf gegen Antisemitismus so wichtig ist
Bild: Gemini KI/Goelden.de
Ein Beitrag von Werner Gaßner
Warum mir der Kampf gegen Antisemitismus so wichtig ist
Ich bin kein Jude. Und trotzdem – oder gerade deshalb – ist mir der Kampf gegen Antisemitismus, Antizionismus und Judenhass ein zentrales Anliegen.
Ein prägender Moment liegt weit zurück:
Mein Vater gestaltete in den frühen 1980er-Jahren den ersten Katalog der KZ-Gedenkstätte Dachau.
Er hat das, was er dort gesehen hat, mit nach Hause gebracht. Die Bilder, die Geschichten, die Realität des industriellen Mordens an Jüd:innen. Das hat auch mich geprägt – ohne dass ich selbst dort war. Es war plötzlich da. Greifbar. Nicht abstrakt.
Als schwuler Mann kenne ich Diskriminierung aus eigener Erfahrung.
Ich habe Zeiten erlebt, in denen es Razzien in schwulen Clubs gab, in denen während der AIDS-Krise ganze Communities unter Generalverdacht standen und politisch unter Druck gesetzt wurden.
Ich habe mich gegen Ausgrenzung gewehrt – auch gegen die menschenfeindlichen Positionen der katholischen Kirche und gegen religiösen Fundamentalismus.
Später habe ich mich gegen rechte und fundamentalistische Bewegungen engagiert, die versuchen, gesellschaftliche Errungenschaften zurückzudrehen.
Und dann kamen meine Reisen nach Israel.
Ich habe dort nicht nur ein Land kennengelernt, sondern Menschen. Vielfalt. Widersprüche. Offenheit. Ein demokratisches System in einer hochkomplexen Region. Das hat mein Bild weiter geschärft – und emotional verankert.
Und dann kam der 7. Oktober 2023.
Was dort passiert ist, hat mich zutiefst erschüttert.
Menschen wurden bestialisch gefoltert, verletzt, ermordet und entführt – weil sie jüdisch waren oder in Israel lebten. Dass so etwas im Jahr 2023 geschieht, war für mich kaum zu begreifen.
Aber fast noch verstörender war für mich das, was danach kam:
das Schweigen.
Und der Hass.
Gerade aus der progressiven Szene, der ich mich lange zugehörig gefühlt habe, kam nicht nur zu wenig Empathie – sondern teilweise offene Feindseligkeit, Relativierung und eine Welle von israelfeindlichen und antisemitischen Narrativen.
Das hat mein Weltbild tief erschüttert.
Was sich durch all das zieht, ist ein roter Faden:
Der Kampf gegen Ungerechtigkeit.
Für mich ist Antisemitismus dabei keine „Diskriminierung unter vielen“.
Er hat eine besondere Qualität.
Eine sehr kleine Minderheit wird seit Jahrhunderten aus unterschiedlichsten Richtungen heraus zur Projektionsfläche gemacht – für Krisen, Ängste und Verschwörungsfantasien. Antisemitismus funktioniert als kleinster gemeinsamer Nenner über Ideologien hinweg. Genau das macht ihn so gefährlich.
Ich bin überzeugt:
Wer Antisemitismus nicht konsequent entgegentritt, wird auch in anderen Bereichen keinen nachhaltigen Erfolg im Kampf gegen Menschenfeindlichkeit haben – weder bei Rassismus noch bei Homo- oder Transfeindlichkeit oder Frauenfeindlichkeit.
Gleichzeitig glaube ich, dass wir ehrlich sein müssen:
Niemand ist frei von Vorurteilen. Niemand ist moralisch überlegen.
Queere Menschen können rassistisch, homophob (!) oder antisemitisch sein.
People of Colour können homophob, rassistisch oder frauenfeindlich sein.
Deshalb geht es nicht darum, Menschen als Ganzes zu verurteilen.
Sondern darum, Haltungen sichtbar zu machen, zu widersprechen und im Dialog zu bleiben.
Wenn Bewusstsein entsteht, wenn Offenheit da ist und der Wille zur Auseinandersetzung – dann gibt es auch einen Weg.
Dieser Artikel stammt aus einem Facebook-Beitrag von Werner Gaßner. (Bearbeitung: red.)
AntisemitismusBekämpfen #NieWiederIstJetzt #HaltungZeigen #GegenJudenhass #Menschenwürde

Die andere Seite