Denkfehler bei Entwicklungshilfe kostet uns Milliarden
Bild: Gemini KI/Goelden.de
Kritiker bezweifeln den Nutzen der Entwicklungshilfe. Ein Insider spricht von einer „lächerlich unterkomplexen” Denkweise. Dadurch gehen Milliarden Euro verloren.
2025 gab Deutschland laut OECD rund 29,1 Milliarden US-Dollar für Entwicklungshilfe aus – mehr als jedes andere Land der Welt. Und das mitten in einer Phase der wirtschaftlichen Stagnation, in der überall gespart werden muss und Politiker täglich über Einschnitte bei Leistungen in Deutschland diskutieren.
Entwicklungshelfer zieht bittere Bilanz
Aber bewirkt Entwicklungshilfe wenigstens das, was sich die Befürworter davon erhoffen? Thilo Bode war zwölf Jahre Geschäftsführer von Greenpeace und zuvor elf Jahre in der Entwicklungshilfe aktiv. Er zieht eine bittere Bilanz:
„Nehmen wir Tunesien. Da habe ich als Entwicklungshelfer gearbeitet… Die ganze Hilfe der letzten 30, 40 Jahre hat die Armut nicht beseitigt. Dafür hat sie ökologische Schäden verursacht, etwa durch die Entnahme von Übermengen an Grundwasser für Bewässerungssysteme, die nicht instand gehalten werden. Oder für den Anbau von Olivenbaumsorten, die für das trockene Land ungeeignet sind und zu viel Wasser verbrauchen. Hinzu kommt die Landschafts- und Stadtbildzerstörung durch den Massentourismus. Einige sind reich geworden, aber zur Entwicklung des Landes haben wir nichts beigetragen.“
„Damals redeten wir uns das Thema Korruption kollektiv schön”
Bode bekennt, er sei in den ersten Jahren als Entwicklungshelfer „abenteuerlich naiv“ gewesen. Erst später habe er erkannt, „dass Entwicklungshilfe nicht wirklich zur Überwindung der Armut beitragen kann“, zumindest nicht, solange die Machtverhältnisse des jeweiligen Landes es nicht zuließen.
In Somalia sollte er Nomaden zu Fischern umschulen und wunderte sich, dass der Minister in dem damals sozialistischen Land den Vertrag umgehend mit seinem Daumenabdruck genehmigte und dann – auf seinen Koffer deutend – fragte, ob darin das Geld für das Projekt sei.
„Das war es nicht. Trotzdem steht zu vermuten, dass zumindest ein Teil der dann regulär ausgezahlten Projektgelder nicht in das Fischereiflottenprojekt floss, sondern in die Taschen des Präsidenten und seiner Clique. Damals aber redeten wir uns … das Thema Korruption kollektiv schön.“
Dr. Rainer Zitelmann ist promovierter Historiker und Soziologe. Er hat 31 Bücher geschrieben und herausgegeben, u. a. „Hitler: Selbstverständnis eines Revolutionärs“, „Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“, „Die 10 Irrtümer der Antikapitalisten“, „Weltraumkapitalismus“ und sein neues Buch „Zero-Sum Mindset. Die Nullsummenfalle„. Er ist FDP-Mitglied.
30 Jahre später legte ein UNO-Bericht dar, dass nur etwa die Hälfte der Nahrungsmittelhilfen bei den Zielgruppen ankam, während die andere Hälfte bei den Warlords landete. Ein Großteil des Geldes, so Bode, ging nicht an die Bedürftigen, sondern versickerte in Prachtvillen und Wohnungen, die sich die Nomenklatura in Paris oder London kaufte.
Nullsummendenken in Entwicklungshilfe ist „lächerlich unterkomplex”
Die Ergebnisse zahlreicher wissenschaftlicher Studien, über die ich ausführlich in meinem Buch „Zero-Sum Mindset“ berichte, sind so eindeutig negativ, dass sich die Frage stellt: Warum hält sich der Glaube, Entwicklungshilfe sei der beste Weg, um Nationen von der Armut zu befreien, so hartnäckig?
Viele Menschen glauben, arme Länder seien nur arm, weil die reichen Länder ihnen etwas weggenommen haben – ein typisches Beispiel für Nullsummendenken.
Die Folgerung: Die reichen Länder müssten etwas von ihrem Reichtum abgeben, dann werde es den armen Ländern besser gehen. Thilo Bode nennt diese Annahme „lächerlich unterkomplex”. Wenn die Diagnose der Probleme der armen Länder falsch ist, dann ist auch die Therapie falsch.
Meist profitieren die NGOs in reichen Ländern
Entwicklungshilfe ist in der Tat kein Nullsummenspiel, sondern wird oft als Win-Win-Situation dargestellt – allerdings in anderer Weise als von ihren Befürwortern behauptet. Denn profitieren tun auf der einen Seite in hohem Maße die mächtigen staatlichen Entwicklungsorganisationen sowie NGOs in den reichen Ländern.
Und auch die vielen gut bezahlten Entwicklungshelfer, die in diesen Strukturen arbeiten und ein privilegiertes Leben führen.
Auf der anderen Seite profitieren korrupte Eliten in den Empfängerländern. Vergleicht man die Länder, in die Entwicklungshilfe fließt, mit dem Korruptionsindex von Transparency International, zeigt sich eine hohe Übereinstimmung.
Und es ist naiv anzunehmen, dass ausgerechnet in einem Bereich, in dem Milliardenmittel aus dem Westen fließen, die dortigen Eliten nicht zugreifen würden.
Bedürfnisse der Entwicklungsländer nicht entscheidend
Zunehmend dient Entwicklungshilfe auch dazu, ideologische Lieblingsprojekte von NGOs umzusetzen, statt an den tatsächlichen Nöten der armen Menschen anzusetzen. Nicht die Bedürfnisse der Empfängerländer leiten die Projekte, sondern politische Moden in den Geberländern. Besonders absurde Beispiele dafür liefert die deutsche Entwicklungshilfe:
Neben dem Aufbau einer modernen Steuerverwaltung in Kamerun (fünf Millionen Euro), dem kommunalen Umweltschutz in Kolumbien (80,5 Millionen Euro) oder dem Ausbau klimafreundlicher ÖPNV-Systeme in Lateinamerika (106,5 Millionen Euro) wird auch die Biodiversität in Paraguay (sechs Millionen Euro) mit Steuergeldern gefördert.
Gender-Training in China und ein Projekt zu positiver Maskulinität in Ruanda liegen dem Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit – wie es heute offiziell heißt – ebenfalls sehr am Herzen.
Klimahilfe statt Entwicklungshilfe
Heute nennt sich „Entwicklungshilfe“ lieber „Klimahilfe“. Offenbar haben Vertreter des „globalen Südens“ verstanden, dass sich heute leichter Geld beschaffen lässt, wenn man an das schlechte Gewissen der reichen Länder als „Verursacher des Klimawandels“ appelliert und Ausgleichszahlungen fordert.
Die Logik: Die Sünde der reichen Länder bestehe in der industriellen Entwicklung und dem dadurch ausgelösten Klimawandel. Die Opfer seien die armen Länder, denen man nun Hunderte Milliarden zahlen müsse. Die Begründungen wechseln, das Konzept bleibt gleich.
Einer Reuters-Recherche zufolge zahlte Deutschland im Zeitraum 2015 bis 2020 rund ein Viertel der weltweiten Klimahilfen: 45,1 Milliarden Dollar. 35 Regierungen meldeten insgesamt rund 182 Milliarden Dollar. Nur Japan meldete höhere Beträge als Deutschland, allerdings handelte es sich bei den japanischen Klimahilfen zumeist um Kredite.
Schokoladengeschäften in Asien als Klimafinanzierung
Auf den ersten Blick erscheint es logisch, CO₂-Emissionen dort zu reduzieren, wo es einfacher ist. In Entwicklungsländern wäre der Hebel tatsächlich größer als in Europa oder den USA, da dort aufgrund eingeschränkter wirtschaftlicher Freiheit oft schlechtere Umweltstandards gelten.
Dennoch muss man nach 60 Jahren Erfahrung mit Entwicklungshilfe vermuten, dass auch bei der Klimahilfe ein Großteil des Geldes in die Taschen korrupter Eliten fließt und deren Macht stärkt. Warum sollte ausgerechnet jetzt etwas funktionieren, das zuvor nicht funktionierte?
Und in der Tat: Bei der Klimahilfe ist vieles genauso wenig nachvollziehbar wie bei der Entwicklungshilfe. Oft wird lediglich das Etikett ausgetauscht. „Italien etwa“, so berichtet Axel Bojanowski in der „Welt“, „finanzierte die Eröffnung von Gelato- und Schokoladengeschäften in Asien und meldete das als Klimafinanzierung.
Japan meldete den Bau eines Kohlekraftwerks auf der Insel Matarbari in Bangladesch und die Erweiterung des Flughafens Borg El Arab in Ägypten als Klimaprojekte.“
Das skurrilste Beispiel ist möglicherweise, dass die EU Wrestling-Arenen in Gambia mit 500.000 Euro finanziert. Offizielles Ziel: „Resilienz gegen den Klimawandel durch kulturelle Identität und soziale Kohäsion“. Die Förderlogik: Wer gemeinsam kämpft, trotzt den Folgen der globalen Erwärmung.
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus Rainer Zitelmanns aktuellem Buch: Zero-Sum Mindset. Die Nullsummenfalle.

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