Expertin Susanne Schröter kritisiert Zahlen zu antimuslimischen Vorfällen als manipulativ
Bild: KI
Expertin Susanne Schröter kritisiert Zahlen zu antimuslimischen Vorfällen als manipulativ. Ein Buchauszug zeigt, wie Daten für ein dramatisches Lagebild „gequält“ werden.
Die Antidiskriminierungsbeauftragte der Bundesregierung, Ferda Ataman, spricht im „Lagebild antimuslimischer Rassismus“ der vom Bund finanzierten „Claim-Allianz“ von 3080 antimuslimischen Vorfällen im Jahr 2024.
„Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 60 Prozent“, so Ataman. Tatsächlich wurden im Jahr 2024 insgesamt 26 „Meldestellen“ für die Statistik angefragt, im Jahr zuvor waren es aber nur 17 gewesen.
Expertin nennt Atamans Statistik „Taschenspielertrick“
Kritik daran kommt nun von der Islam-Expertin und Ethnologin Susanne Schröter. Gegenüber FOCUS online sagt sie: „Die wissenschaftliche Methodik ist fragwürdig, weil Zahlen verglichen werden, die man nicht vergleichen kann.“
Claim selbst geht auf den Vorwurf in seiner Antwort auf FOCUS online nicht explizit ein. Allerdings räumt der Verein ein, dass die Steigerung der Fallzahlen statt bei 60 Prozent bei 34,5 Prozent läge, wenn man nur die 17 Meldestellen aus 2023 wieder befragt hätte.
„Damit räumt Claim die Fehlerhaftigkeit der eigenen Zahlen offen ein“, sagt Susanne Schröter. „Es kann doch nicht sein, dass Fallzahlen von angeblich islamfeindlichen Vorfällen willkürlich von der Zahl der befragten Meldestellen abhängen. Das ist ein Taschenspielertrick.“
Mit diesem Trick beschäftigt sich der folgende Buchauszug:

Buchauszug „Unterwanderung“
Die Antidiskriminierungs-Beauftragte der Bundesregierung, Ferda Ataman, spricht in ihrem Geleitwort zum „Lagebild Antimuslimischer Rassismus 2023“ von einer Verdoppelung der Fallzahlen auf 1.926 im Jahr 2023. Schaut man sich ihren Befund genau an, befremdet der Umgang mit den Zahlen, die sich aus Antworten auf Anfragen an die Bundesregierung, der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik und Angaben aus den sogenannten „Meldestellen“ zusammensetzen.
So ist tatsächlich von einem Anstieg von 114 Prozent auf 1.926 Fälle die Rede. Im Kleingedruckten steht dann allerdings, dass sich 2022 insgesamt 10 Beratungsstellen aus sieben Bundesländern am Monitoring beteiligt haben, 2023 aber 17 Beratungsstellen aus 13 Bundesländern.
Die Statistik wird gequält, um die Lage zu dramatisieren
Das heißt, die Statistik wird kräftig gequält, um die Lage zu dramatisieren. Angesichts der Tatsache, dass es immer wieder zu verurteilenswerten muslimfeindlichen Straftaten kommt, ist dieser laxe Umgang mit dem Thema ein Armutszeugnis. Denn er schwächt am Ende die Glaubwürdigkeit dieses Anliegens.
In der Vereinsregister-Akte des damaligen „Claim“-Mitgliedsvereins „Inssan“ finden sich hierzu aufschlussreiche Dokumente. Nachdem sein umstrittenes Moscheebauprojekt gescheitert war, widmete sich der Verein vor allem dem Thema Islamophobie und strickte an entsprechenden Netzwerken. Am 1. Juli 2011 erklärt Lyda Nofal, es sei gelungen, für das Berliner „Netzwerk gegen Diskriminierung von Muslimen“, „alle wichtigen muslimischen Einrichtungen in das Projekt einzubeziehen.“
Auch werde eine erste Gruppe von Antidiskriminierungsbeauftragten ausgebildet – finanziert durch den damaligen Integrationsbeauftragten des Berliner Senats. Das Netzwerk war also eine Art Vorläufer der heutigen „Meldestellen“, denn es sollte Fälle von Diskriminierungen sammeln und dokumentieren.
Am 19. September 2014 berichtet ein Vereinsmitglied von „Inssan“, dass die Zahl der vonseiten der Muslime gemeldeten Diskriminierungsfälle im Jahr zuvor stark eingebrochen sei. Daher bestehe ein verstärkter Bedarf, „alle wichtigen muslimischen Einrichtungen in das Projekt einzubeziehen und Veranstaltungen in deren Einrichtungen durchzuführen.“
Bizarre Befunde, die nichts mit Muslimen zu tun haben
Sinkende Zahlen passten nicht zum Opfer-Mythos, den die Initiatoren der frühen Meldestellen in die Öffentlichkeit transportieren wollten. Bei der Verbreitung des Narrativs „Antimuslimischer Rassismus“ spielen echte Fakten eine untergeordnete Rolle. Das gilt auch für die Gewichtung im bereits erwähnten „Claim“-„Lagebild 2023“. Dass nur 26 von opulenten 107 Seiten des „Lagebilds“ konkrete Vorfälle und Statistiken behandeln, sagt schon viel über den deklamatorischen Charakter dieser öffentlich geförderten Studie aus.
Für diesen Eindruck sorgen überdies bizarre Befunde, die „Claim“ in seinem Lagebild präsentiert und die schlicht gar nichts mit dem Kernthema Muslime zu tun haben, es sei denn, man legte die Annahme zugrunde, dass Mitglieder arabischstämmiger Clans automatisch als Muslime zu betrachten sind.
So schreibt der Autor Mohamed Ali Chahrour unter dem mustergültig gegenderten, aber für durchschnittsintelligente Durchschnittsleser kaum nachvollziehbaren Titel „Sicherheitsrisiko“ Muslim*a – Markierung und Kriminalisierung von Muslim*innen“.
Er brandmarkt Begriffe wie „Ausländer- oder Clankriminalität“, „Parallelgesellschaft“ als „Antimuslimischen Rassismus“. Auch Berichte über die Silvesterkrawalle in Berlin oder Krawalle in Freibädern zielten darauf, Muslime zu diffamieren.
Die damalige Migrationsbeauftragte und heutige SPD-Entwicklungshilfeministerin Reem Alabali-Radovan beklagte für Muslime sogar „erschwerte Zugänge zu Wohnraum und Arbeit, zu adäquater Gesundheitsversorgung“.
Wie sie darauf kommt, dass diese leider alltäglichen Diskriminierungen in Deutschland nichts mit klassischem Rassismus, sondern explizit mit einer vorhandenen oder vermuteten Muslimidentität zu tun haben, bleibt ihr Geheimnis. Denn selbst in dem Lagebericht steht dazu empirisch nichts – im Gegenteil werden Diskriminierungen bei der Wohnungssuche zu Recht unter dem Thema „Struktureller Rassismus“ erwähnt.
Quelle: Focus

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