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Was der Komfort für unsere Gesellschaft bedeutet und bedeuten könnte

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Bild: KI

Bequem zu leben ist eine angenehme Sache. Doch sie hält auch einige Tücken bereit – insbesondere, wenn man den Komfort bereits zur Lebensphilosophie erhoben hat.

Wir leben in der komfortabelsten Zeit der Menschheitsgeschichte, und dennoch gedeihen wir nicht. Wir werden schwächer, weniger anpassungsfähig und immer weniger fähig, schwierige Aufgaben zu meistern – das liegt nicht daran, dass es keine Härten mehr gäbe, sondern daran, dass wir aufgehört haben, sie bewusst anzugehen.

Ich werde oft auf Konferenzen eingeladen, um über Landwirtschaft, Ernährungssysteme und den meiner Meinung nach fortschreitenden Niedergang der kleinen Familienbetriebe zu sprechen.

Ich spreche über Land, Verantwortung, nachhaltige Bewirtschaftung und darüber, was nötig ist, um in diesem Land wieder etwas Bleibendes aufzubauen. Fast immer meldet sich dann jemand und fragt mich nach meiner Selbstfürsorge-Routine.

Was tue ich für mein Wohlbefinden?

Diese Frage überrascht mich immer wieder. Nicht weil sie unhöflich wäre, sondern weil sie etwas Tieferliegendes über unseren kulturellen Zustand offenbart.

Es gibt eine Diskrepanz zwischen den Problemen, mit denen wir konfrontiert sind, und der Art, wie wir sie angehen.

Eine Zeit großer Bequemlichkeit

Ich komme nach Hause in ein Haus mit fließendem Wasser, funktionierenden Toiletten und Warmwasser auf Knopfdruck. Ich habe eine Klimaanlage im Obergeschoss, einen Holzofen im Erdgeschoss und einen Komfort, der für meine Vorfahren unvorstellbar gewesen wäre.

Die Menschen, die das Land vor uns bearbeiteten, hatten keine Routine zur Selbstfürsorge. Ihr Leben war körperlich fordernd, ungewiss und oft unerbittlich. Und doch waren sie fähig.

Heutzutage ist das reine Überleben für die meisten von uns ein Leichtes geworden.

Anstatt diese Leichtigkeit als Fundament zu nutzen, um Stärke aufzubauen, haben wir den Komfort zum Ziel gemacht. Genau darin liegt unser Fehler.

Es gibt einen Unterschied zwischen Leiden und Anstrengung. Die Generationen vor uns ertrugen Entbehrungen, weil sie es mussten.

Wir hingegen haben die seltene Gelegenheit, uns bewusst für Härten zu entscheiden, und wir sind zunehmend nicht mehr bereit, dies zu tun.

Im Elend gefangen

Nicht jede Unbequemlichkeit ist gleich. Es gibt die Art von Unbehagen, das uns zersetzt: Bindungslosigkeit, schlechte Gesundheit, Sucht, sinnfreie Ablenkung, die stille Angst, die aus einem Leben ohne Sinn resultiert. Viele Menschen heute sind keineswegs frei von Unbehagen; sie stecken schlicht in einer Art schwelendem Elend fest, das nichts hervorbringt.

Dann gibt es die Unbequemlichkeit, die wir vermeiden: die schwierigen Gespräche, die wir nicht führen wollen, die Disziplin, gegen die wir uns sträuben, die Verpflichtungen, die wir aufgeben, sobald sie unbequem werden.

Härten ertragen: Charakterbildung und Wachstum

Und schließlich gibt es die bewußt gewählte Unbequemlichkeit: die Art, die etwas aufbaut. Fasten, körperliche Arbeit, Kinder mit klaren Erwartungen an sie großziehen, an einer Sache dranbleiben, auch wenn es schwierig wird, eine Fertigkeit entwickeln, ein Unternehmen aufbauen, Land bewirtschaften, im Glauben wachsen.

Diese Art von Unbequemlichkeit schafft Widerstandskraft. Sie formt den Charakter. Sie erinnert uns daran, dass Wachstum Anstrengung erfordert.

Ich befinde mich derzeit mitten in der Fastenzeit und habe mehr als einen Monat ohne feste Nahrung verbracht.

Ich trinke nur Rohmilch, Knochenbrühe und Tee. Wenn ich das erzähle, schauen mich die Leute oft an, als würde ich etwas Extremes oder Unnötiges tun. Es ist unbequem, und es erfordert Anstrengung, aber genau das ist der Punkt. Wenn wir nicht üben, schwierige Dinge zu tun, verlieren wir die Fähigkeit, sie überhaupt noch zu vollbringen.

Kinder sind nicht zerbrechlich

Ich beobachte diese Entwicklung nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern. Es gibt eine wachsende Philosophie in der Erziehung, jede Art von Unbequemlichkeit zu vermeiden – niemals die Stimme zu erheben, niemals zu viel Druck auszuüben, niemals zu viel zu verlangen.

Aber Kinder brauchen Herausforderungen. Sie müssen auf Widerstände stoßen und lernen, wie sie sich hindurchbewegen.

Mein elfjähriger Sohn hat sich kürzlich dazu entschieden, drei Tage lang zu fasten – nicht, weil ich es ihm gesagt hätte, sondern weil er etwas Schwieriges tun wollte. Er erlebte die Herausforderung, hielt sie dann durch und spürte auf der anderen Seite ein Gefühl der Erfüllung.

Diese Erfahrung hat ihn in einer Weise geprägt, wie Komfort es niemals hätte tun können.

Kinder sind von Natur aus nicht zerbrechlich. Sie werden erst zerbrechlich, wenn wir ihnen jede Gelegenheit zum Wachsen nehmen.

Trend: Nur noch das Nötigste tun

Das Gleiche gilt für Erwachsene. In meinem eigenen Leben habe ich in den verschiedensten Jobs gearbeitet – ich habe Pizzen ausgeliefert, im Einzelhandel gearbeitet und alles angenommen, was gerade nötig war. Ich war nicht immer die beste Angestellte, besonders als Teenager, aber ich habe schon früh etwas gelernt, das mich seither begleitet: Einsatz zählt.

Wenn man die Extrameile geht, bemerken die Leute das. Wenn man Verantwortung übernimmt, eröffnen sich mehr Möglichkeiten. Meine Eltern pflegten zu sagen, dass, je mehr Verantwortung man übernehme, desto mehr Freiheit habe man. Darin liegt eine Wahrheit, auch wenn Verantwortung eine gewisse Last mit sich bringt.

Das neue „Normal“

Heutzutage ist es immer seltener zu beobachten, dass Menschen mehr machen als nur das Nötigste. Ich sehe Angestellte, die darauf warten, dass man ihnen sagt, was sie tun sollen.

Sie erledigen nur das, was gefordert wird – und kein bisschen mehr. Vielleicht sind meine Erwartungen von einer anderen Zeit geprägt, aber ich glaube nicht, dass das Problem in den Erwartungen liegt. Ich glaube, das Problem ist, dass wir neu definiert haben, was normal ist.

Wir haben angefangen, Unbequemlichkeit als etwas Gefährliches zu behandeln, statt als etwas Notwendiges. Sogar Ideen, die uns herausfordern, werden manchmal gemieden. Ich erinnere mich an meine Zeit am College, als man uns sagte, wir müssten ja an bestimmten Vorlesungen nicht teilnehmen, falls dort kontroverse Themen diskutiert würden.

Als ob es gewissermaßen schon schädlich wäre, herausgefordert zu werden. Aber herausgefordert zu werden, ist nicht schädlich.

Es ist die Art und Weise, wie wir wachsen. Wenn wir die Fähigkeit verlieren, Unbequemlichkeit auszuhalten – sei sie körperlicher, intellektueller oder emotionaler Natur –, verlieren wir die Fähigkeit, Tiefgründigkeit, Überzeugung und Widerstandskraft zu entwickeln. Und dieser Verlust ist nicht theoretisch, wir sehen ihn bereits.

    Wohin geht die Reise?

    Wir leben heute in einer Welt, in der Technologie fast alles augenblicklich hervorbringen kann. Man kann Texte generieren, Produkte entwerfen und ganze Systeme in Minuten erschaffen. Aber wenn alles sofort verfügbar wird, riskieren wir, die Geduld zu verlieren, die man braucht, um etwas Reales aufzubauen.

    Wer hat noch die Geduld, ein Buch aus seinem eigenen Geist heraus zu schreiben, ein Haus mit seinen eigenen Händen zu bauen oder einer Sache so lange verpflichtet zu bleiben, bis sie vollendet ist?

    Dabei geht es nicht bloß um Arbeit. Es geht darum, welche Menschen wir werden.

    Die Generationen vor uns haben hart gekämpft, um das Maß an Komfort zu schaffen, das wir heute genießen. Aber Komfort war niemals ihr Endziel. Er war als Ausgangspunkt für etwas Größeres gedacht.

    Wir haben heute eine Wahl, die sie nicht hatten. Wir können durch diesen Komfort Stärke gewinnen oder zulassen, dass er uns schwächt.

    Der eine Weg führt zu Widerstandskraft, Bestimmung und Wachstum; der andere führt zu Apathie. Diese Entscheidung wird jeden Tag getroffen, ob uns das bewusst ist oder nicht.

    Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com unter dem Titel „Comfort Is Not the Goal“. (redaktionelle Bearbeitung: red.)

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